70 Jahre Grundgesetz, 70 Jahre Ende der Luftbrücke, 70 und mehr schadhafte BER-Dübel

Passende Dübel gibt es im Baumarkt


Guten Tag,

heute werden wir sehr grundsätzlich, da wir in diesem Jahr den 70. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und den 70. Jahrestag des Endes der Berliner Luftbrücke bzw. der Berliner Blockade feiern. 70 und mehr fehlende BER-Dübel nehmen wir hingegen nur noch zur Kenntnis. Aber eins nach dem anderen.

70 Jahre Grundgesetz

Man mag sich wundern, warum wir jetzt verfassungspolitisch werden, aber der Flughafen Tempelhof ist mit der Freiheit Berlins und Deutschlands, und der BER mit der Inkompetenz der Politischen Klasse in Deutschland auf das Engste verbunden. Und darüber sollte geredet werden.

Klaus Wowereit hatte als Regierender Bürgermeister der Rot-Dunkelroten-Senatskoalition (2002-2011), die Tempelhof schloss, im ersten Teil seiner Aussage Recht, als er schwindelte, dass es im damaligen BBI (ab 2011 BER) einen Baustopp geben würde, wenn Tempelhof offen bliebe. Allerdings waren die Ursachen für die sich dann nach der Tempelhofschließung regelmäßig einstellenden BBI/BER-Baustopps entgegen den Wowereitschen Unwahrheiten von 2008 jeweils immer tempelhoffremd, aber hausgemacht von der Politik und der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB).

Es wurde gelogen, dass sich die Balken bogen. Eine politisch und medial geschaffene Ikone wie Klaus Wowereit konnte da aber offenbar schalten und walten wie sie wollte. Man hatte in Berlin immer weniger das Gefühl unter der Herrschaft des Grundgesetzes, der Rule of law, der Herrschaft des Rechts in der Westlichen Welt, zu leben.
 
Erst 2014, nachdem Klaus Wowereit seinen Rücktritt angekündigt hatte, bequemte sich dann auch die Hauptstadtpresse zu der Erkenntnis, dass der BER, wenn er denn eines Tages aufgehen würde, eine massive Kapazitätsunterdeckung aufweisen würde. Und das, obwohl die Kritik an dem anfänglich als Single-Airport (ein Flughafen für vermeintlich alle Flugverkehre) bezeichneten BBI/BER schon seit den 90ziger Jahren des 20. Jahrhunderts im Markt war. Alles was in den Jahren nach dem Baubeginn 2006 an fachlichen BBI/BER-Mängeln auftauchte, war daher bekannt und konnte nicht mehr überraschen.

Aber auch nach 2014 machte die Hauptstadtpresse weiter wie gehabt. Der nächste BER-Eröffnungstermin war immer der beste und die jeweilige FBB-Geschäftsführung die professionellste, die man sich vorstellen konnte, bis man dann jeweils neue Eröffnungsdaten und neue FBB-Geschäftsführer bekam. Und dieses Spielchen kann noch lange so weitergehen. Die Frage nach der politischen Verantwortung von Klaus Wowereit und Michael Müller wurde hingegen bis auf den heutigen Tag presseöffentlich nicht gestellt.  
    
70 Jahre Ende der Luftbrücke
 
Unser Herz ging auf, als wir am 12. Mai 2019 den Helden der Luftbrücke, am Boden und in der Luft, gedenken durften, die die Freiheit Berlins und die unseres Vaterlandes verteidigt hatten. Wie aus der Zeit gefallen betete ein Geistlicher zusammen mit vielen Ehrengästen vor dem Luftbrückendenkmal das Vaterunser und nach der Amerikanischen, Britischen und der Französischen Nationalhymne erklang "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!". Auch einige Senatsmitglieder wurden beim Mitsingen beobachtet.

Dem kanadischen Botschafter, seiner Exzellenz Stéphane Dion, blieb es dann vorbehalten an die Standhaftigkeit der West-Berliner von 1948/1949 zu erinnern. Den kuriosen Höhepunkt steuerte schließlich Bundesjustizministerin Katarina Barley bei, die gendergerecht, aber ohne sachliche Grundlage, von "Pilotinnen und Piloten der Luftbrücke" sprach. Offenbar wollte die SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl 2019 die Luftbrücke, deren Berliner Standort 2007/2008 von ihren Parteifreunden nach Kräften geschmäht worden war, einzig für ihren Wahlkampf nutzen.

Und da der Rot-Rot-Grüne Senat weder einen Überflug von Rosinenbombern noch eine Landung von Flugzeugen in Tempelhof gestatten wollte, waren auf dem Vorfeld allein Flugzeugumrisse aufgezeichnet worden - wie armselig!

70 und mehr schadhafte BER-Dübel

Und die BER-Wirklichkeit ist nun seit über 13 Jahren nur noch durch Schadstoffmeldungen gekennzeichnet. Nicht etwa zu viel CO2 wurde hier in der einen oder anderen Form festgestellt, sondern es wurden immer wieder fehlende oder schadhafte Bauteile entdeckt. Man hat inzwischen den Eindruck, dass der BER in Gänze aus Schadstoffen bestehen würde. So wie die FBB einst den Verlauf der Kabel im Flughafengrund in Ermangelung entsprechender Pläne wohl nur noch durch Metalldetektoren ermitteln konnte, werden seit geraumer Zeit immer wieder neue BER-Schwachstellen entdeckt. Eine komplette BER-Baudokumentation existiert offenbar nach wie vor nicht.  

Und aktuell sind es, nach den Kabeln und der fehlenden Brandschutzsicherheit u.a., nun wohl die Dübel. Dem aktuell amtierenden FBB-Geschäftsführer, dessen Namen nichts zur Sache tut, der aber immerhin promovierter Stadtplaner und langjähriger SPD-Genosse und -Funktionsträger ist, sollte beim Luftbrückengedenken ein verpackter Plastikdübel überreicht werden. Der FBB-Geschäftsführer lehnte die Annahme ab, u.a. mit der Begründung, dass es sich bei dem Bedarf am BER um Metall- und nicht um Kunststoffdübel handeln würde. Egal, ob Kunststoff oder Metall, im Zweifel fehlt es halt im BER.

Der politische Apparat in Berlin und im Bund sowie die von ihm gesteuerten FBB-Geschäftsführer machen uns am Beispiel BER aber nun schon seit über 13 Jahren eins unmissverständlich deutlich: Ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Menschen dieses Landes, die eine funktionierende Infrastruktur benötigen, empfinden diese Leute schon lange nicht mehr. Es fehlen im BER und in der Politik eben wesentlich mehr als nur die passenden Dübel. Es ist ziemlich viel faul im Staate Dänemark.

Herzlichst

Ihr Wolfgang Przewieslik

P.S.

Der neue Flughafen Istanbul (IST) ist von internationalen Fachleuten - nach einer Bauzeit von ca. 5 Jahren - 2018 fertiggestellt und eröffnet worden. 2028 soll der neue Flughafen in seiner letzten Ausbaustufe ca. 200 Mio. Passagiere im Jahr abfertigen und damit zu einem der großen internationalen Luftdrehkreuze werden. Der BBI/BER hingegen, einst als modernster Flughafen Europas gepriesen, würde, wenn er denn jemals eröffnen sollte, zwischen 30-40 Mio. Passagieren pro Jahr abfertigen können und damit dann schon bei seinem Maximum angelangt sein.


twitter.com/brennpunktber


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Text & Redaktion:
Wolfgang Przewieslik
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wolfgang.przewieslik@brennpunkt-ber.de
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