Schöne Bescherung in Motzen

 

Kein Finanzierungsplan, kein BER-Starttermin, aber Klaus Wowereit ist wieder AR-Vorsitzender

 

One-Roof-Konzept: Drei Baustellen unter einem Dach und ein Weihnachtsmann als Aufpasser

 

Guten Tag,

unter dem vermeintlich unbelasteten Kürzel der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, FBB, das früher einmal auf BBF bzw. FBS lautete, wurden im Hotel Residenz am Motzener See, südöstlich von Berlin, die (Nicht-)Ergebnisse der aktuellen Aufsichtsratssitzung der Flughafenholding verkündet.

Statt eines dringend notwendigen Zeit- und Finanzierungsplans für den Dauerpatienten BER (früher BBI) gab es nur eine Personalie zu vermelden, die keinen mehr überrascht:

Klaus Wowereit ist wieder AR-Vorsitzender.



Damit ist die Kontrolle über die Außendarstellung des BER weiter fest in politischer Hand, und die Fertigstellung des Flughafens zweitrangig. Nur die Partei "Die Linke" aus Brandenburg sprach sich gegen eine erneute Wahl Wowereits zum AR-Vorsitzenden aus. Dass es so schlecht um die res publica (lat.: öffentliche Sache) steht, kann einen nur erschrecken.   

Auch dass ein großer Auftragnehmer des BER, die Siemens AG, in den letzten Tagen durchblicken ließ, dass man ggf. bis 2023 Geduld mit der BER-Eröffnung haben müsse (laut Siemens-Chef Josef Käser sei das tatsächliche Datum "nicht relevant"), schlug sich in den Ergebnissen der AR-Sitzung nicht nieder. Die Aussage des Siemens-Chefs kann wohl nicht als Versprecher abgetan werden: Gibt es etwa substanzielle Baumängel im BER, die der Öffentlichkeit bisher unbekannt sind?

So wird in Luftfahrtkreisen gemutmaßt, dass die gesamte Verkabelung wieder herausgerissen und neu verlegt werden müsste, um „das Ding endlich zum Laufen zu bringen“, so ein Insider. Man vermutet nämlich, dass die Kabelstränge für die notwendige elektrische Leistung einen zu geringen Querschnitt aufweisen - und deshalb ungeeignet sind. Diese z.T. in Beton eingegossenen Leitungen müssten daher per Presslufthammer ausgetauscht werden.

Wäre das relevant? Wer weiß!

In der Flughafengesellschaft, die seit dem Abgang des letzten Technik-Chefs Horst Amann keinen Geschäftsführer Technik mehr besitzt, und die erst seit 7 Monaten wieder eine Geschäftsführerin Finanzen hat, ist wohl der wirkliche Durchblick schon lange verloren gegangen. Steht die Öffentliche Hand, nach der 2003 abgebrochenen Privatisierung des BBI/BER, nun vor einem erneuten Desaster?

Aber Klaus Wowereit stellt so leicht keiner in den Schatten.

Im Zusammenhang mit dem Berliner Doppelhaushalt 2014/2015 und ungeachtet horrender Altschulden, wurde heraus posaunt, dass man so gerne ein Geberland sein wolle, würde, könnte - natürlich ohne, dass man Nachtragshaushalte wegen des BER ausschließen wolle, würde, könnte.

Und Hartmut Mehdorn stellt für den Januar 2014 erneut einen Testbetrieb des BER am Pier Nord in Aussicht, „erst mit Mitarbeitern, dann mit Tausenden von Testpersonen“. Was da mit Gültigkeit für das ganze Terminal getestet werden soll, ist unklar. Denn die provisorische Ausrüstung des Pier Nord muss vor Inbetriebnahme des BER wieder entfernt werden.

Hat da jemand gelacht? Hoffentlich nicht, denn das ist die bittere Realität!

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

 


P.S.

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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Leider sind die Herrschaften des FBB-AR nicht im "Hotel California" der Eagles abgestiegen, von dem es ja heißt: "You can check-out any time you like, But you can never leave!" Also besteht die Gefahr, dass sie ihre Tätigkeit fortsetzen werden. Naja, dann mann tau!

Wowereit orakelte schon, dass noch viel zu tun wäre! Das könnte man als das übliche Wortgeklingel abtun, wenn da nicht schon die vielen verbrannten Milliarden Euros - mit der Aussicht auf noch mehr Asche - wären.

In Abwandlung des Gary Lineker-Spruchs, „Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, und am Ende gewinnt immer Deutschland.“, kann man sagen: "15 FBB-Aufsichtsräte stimmen ab, Klaus Wowereit bleibt AR-Vorsitzender - und der BER bleibt zu." Da es in diesem Parallel-Universum keine Haftung gibt, gibt es auch Gewinner ...

Schade, dass Klaus Wowereit nicht Bundesminister der GroKo wird - und somit entsorgt wäre. So müssen wir ihn als Regierenden und AR-Vorsitzenden weiterhin ertragen. Angesichts der aktuellen Kabinettsliste überrascht seine Nichtberücksichtigung allerdings erheblich.

ES stinkt im Staate Dänemark. Ein Sprichwort, das genau beschreibt was in Berlin und Brandenburg seit Jahren passiert. Und es wird immer so weitergemacht: Knappe Haushaltsmittel werden in Schönefeld versenkt - oder muss man sagen verschwendet? - und fast alle gucken zu. Ein US-Blatt schrieb vor einigen Monaten, dass in Manila die dümmsten Menschen der Welt leben würden. Das glaube ich nicht.

Anscheinend steckt das BER-Projekt dermaßen in unlösbaren Schwierigkeiten, dass alle, die Erfahrung mitbringen würden und so etwas stemmen könnten, abgewunken haben. Man sich sich hier nur noch die Finger verbrennen und letzendlich wird auch ein Klaus Wowereit erkennen müssen, dass auch er den Karren nicht mehr aus den Dreck ziehen kann. Vielleicht schafft Herr Mehdorn noch eine Teileröffnung des Nordpiers, aber dann ist sicherlich Ende im Gelände.

Herr Wowereit, man schließt und zerstört nicht einfach einen funktionierenden Flughafen wie THF, ohne vorher einen Neuen am Netz zu haben.

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