Neuer Geschäftsführer wird gegen den Bund durchgesetzt

+++ Karsten Mühlenfeld, langjähriger Rolls-Royce-Manager, zum neuen Geschäftsführer der Flughafengesellschaft gewählt +++ Der Regierende Bürgermeister Müller verlässt den Aufsichtsrat +++

Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB): Im Aufsichtsrat der FBB stimmten nur 2 von 3 Eigentümern für den neuen Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld


Guten Tag,

üblicherweise benötigt ein Geschäftsführer oder ein Vorstandsvorsitzender eines Unternehmens das Vertrauen aller Anteilseigner. Deshalb ist es üblich und sinnvoll, diese Position im Konsens zu besetzen, weil dieser Konsens, über die Wahl hinaus, in der operativen Praxis dringend benötigt wird.

Neuer Geschäftsführer im Dissens bestimmt, Müller verlässt den AR

Berlin und Brandenburg sind hier nun eigene Wege gegangen und haben den neuen Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), Karsten Mühlenfeld, im Alleingang mit der Mehrheit ihrer Aufsichtsratsmitglieder gegen den Bund durchgesetzt.

Pikant an diesem Vorgang ist, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, bei der gleichen AR-Sitzung, wie seit Wochen angekündigt, sein Ausscheiden aus dem Gremium bekannt gab und dass der Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke, ganz bewusst diesem  Gremium nie angehört hat.

Müllers Wette

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, ist mit dieser Wahl eine riskante Wette eingegangen, die im Fall weiterer Fehlschläge ganz allein auf ihn zurückfallen wird, unabhängig davon, ob er weiterhin im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft verbleiben wird oder auch nicht.

Karsten Mühlenfeld, der zwar wie Hartmut Mehdorn auf eine fundierte Management-Erfahrung zurückgreifen kann, aber kein spezielles Knowhow im Flughafen-Management vorweisen kann, wird vollständig von der politischen Interessenlage der Länder Berlin und Brandenburg abhängig sein. Daher ist zu befürchten, dass das BER-Projekt weiterhin nach der regionalen politischen Opportunität von Berlin und Brandenburg, und nicht nach der Sachlage geführt und kommuniziert werden wird.

Als sich das Scheitern von Hartmut Mehdorn abzeichnete, waren auch die Tage von Klaus Wowereit im Amt gezählt. Ähnliches könnte auch Michael Müller blühen, da sich die strukturellen Probleme des seit 2006 mal mehr mal weniger im Bau befindlichen BBI/BER nicht in Luft auflösen werden.

Neuer Geschäftsführer, alte Probleme

Und diese Probleme sind nach wie vor die folgenden: Keine ausreichende Baudokumentation, keine ausreichende Kapazität, keine ausreichende Rad-Schiene-Anbindung. Und fraglich bleibt, ob es nicht weitergehen wird mit den politisch bestimmten BER-Eröffnungsterminen, die nichts mit der Realität zu tun haben werden.

Karsten Mühlenfeld ist für seine neue Aufgabe jedenfalls alles Gute zu wünschen!

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team




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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Ein Nachfolger für den scheidenden Unternehmensleiter Mehdorn wurde, wenn auch unter fragwürdigen Umständen, gefunden. Aber kann man wirklich von einem „Nachfolger“ reden?

Die Nachrichtenlage erscheint aktuell noch etwas unklar. Aber wie es aussieht, hat man eine Entscheidung über eine Personalie getroffen, ohne das ganz ersichtlich ist, wie das zugrundeliegende Stellenprofil aussieht.

So schreibt die Berliner Morgenpost, dass Herr Mühlenfeld vor allem die Koordination der Geschäftsführung übernehmen, und die zahlreichen Auftritte vor Parlamentsausschüssen und anderen Gremien absolvieren soll. Von ihm wird erwartet, dass er planerische Vorarbeiten von Technik-Chef Jörg Marks zur Lösung der Probleme mit der Brandschutzanlage übernimmt und sich nicht in das erfolgreich laufende Management der beiden alten Flughäfen Tegel und Schönefeld „einmischt“.

Faktisch hat man also nur einen weiteren Unternehmenssprecher engagiert. Herr Kunkel kann sich auf Konkurrenz einstellen. Fraglich nur, ob kritische Parlamentarier oder Aufsichtsräte und Gesellschafter sich wirklich am bloßen Verkünder schlechter Nachrichten abarbeiten wollen, oder sich gleich direkt mit den wirklich wichtigen Leuten im Unternehmen in Verbindung setzen. Wer will schon Informationen aus zweiter Hand. Ich kann mir vorstellen, dass Herr Mühlenfeld sich zukünftig in seiner Rolle als bloßes Aushängeschild nicht wohl fühlen wird.

Die Nachfolgeregelung hat den Rückzug von Michael Müller und Frank Henkel aus dem Aufsichtsrat etwas in den Hintergrund treten lassen. Dabei sind die Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Der Aufsichtsrat ist als Unternehmensgremium faktisch tot.

Die wichtigen Entscheidungen zum BER werden ab sofort die Gesellschafter direkt mit Herrn Marks abstimmen, und Herr Mühlendeld darf sie verkünden. Damit wird auch letztlich die betriebliche Mitbestimmung durch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ausgehebelt. Da Kapitaleigner bleiben in Zukunft unter sich. Der Aufsichtsrat darf dann nur noch die im Hintergrund getroffenen Entscheidungen abnicken.

Dass ausgerechnet Herr Engelbert Lütke Daldrup den Vorsitz dieses Gremiums übernimmt, lässt tief blicken. Herr Lütke Daldrup vertrat immerhin die Bundesregierung von 2005-2009 als Staatssekretär des damaligen Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee im Projekt, jetzt führt er praktisch nur noch die B-Mannschaft. Aber die aktuelle Berichterstattung zeigt auch deutlich, wie tief bereits die Maßstäbe beim Flughafen-Projekt in den Medien gesunken sind.

Ernsthafte Fragen zur Sinnhaftigkeit werden nicht mehr gestellt, jede personelle Entscheidung von Müller und Woitke wird nur noch müde durchgewinkt. Die fragwürdigen Rahmenbedingungen der personellen Neugestaltung interessieren nicht. Wenn auch Mühlenfeld am Ende aus der Kurve fliegt – wen interessiert’s. Dann holt man eben einen Neuen. Die Medien sind anscheinend ihrer eigenen Inhaltslosigkeit längst überdrüssig geworden.

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