Neue Enthüllungen zum BER

1 Beitrag / 0 neu
Viel-Flieger
Neue Enthüllungen zum BER

 

Die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen BER werden inzwischen auf 4,7 Milliarden Euro geschätzt. Das geht aus einem Bericht der Controllinggesellschaft an den Flughafen-Aufsichtsrat von Ende November 2013 hervor. Hierüber berichtet die Berliner Morgenpost: 

http://www.morgenpost.de/flughafen-berlin-brandenburg/article124436525/Kostenprognose-fuer-BER-liegt-jetzt-bei-4-7-Milliarden-Euro.html 

Überraschend ist dieses Eingeständnis nun wirklich nicht. Insider weisen schon seit Jahren darauf hin, dass die Gesamtkosten des Projekts deutlich über 5 Mrd. Euro liegen werden, und sich am Ende durchaus dem zweistelligen Milliardenbereich nähern können.Ebenso unfassbar, auf dem BER wären auch nach einer Inbetriebnahme im Juni 2012 noch monatelang Bauarbeiter im Einsatz gewesen. So sollten nachts neue Kabel verlegt werden. Erst bis Weihnachten 2012 sollte so die die Brandschutzanlage auf Vollautomatik umgerüstet sein. Und das bei laufendem Betrieb auf einem hochfrequentierten Flughafen. 

Für uns äußere Betrachter erscheinen diese Mißstände beim BER in gewisser Weise fast schon normal. Etwas anderes als Chaos und Scheitern kennt man von der Baustelle eben nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Strategie durchaus hätte aufgehen können. Denn wenn die Öffnung des BER und die Schließung von Tegel erst unumkehrbar geworden wären, wäre jegliche Kritik sofort obsolet geworden. Kein Mensch, und noch weniger kein Journalist, hätten dann noch ernsthafte Fragen zum Brandschutz gestellt, das Leben mit dem Unvollkommenen gehört schließlich zum Berliner Selbstverständnis. Rainer Schwarz wäre heute noch ein geachteter Manager, und Wowereit würde von seinen Anhängern als durchsetzungsfähiger Machtpolitiker gefeiert worden, der sich von so etwas Störendem wie Regeln, Gesetze oder Moral nicht aufhalten lässt. Das letztliche Scheitern der BER-Lobby war keineswegs zwangsläufig, und am wenigsten haben die selbsternannten Vertreter der vierten Gewalt hierzu beigetragen, es hing am Ende alles an der Zivilcourage und dem Gewissen von wenigen Beamten in der Genehmigungsbehörde. Man darf deshalb niemals die Skrupellosigkeit, aber auch die kalte Entschlossenheit, der BER-Lobby unterschätzen. Der Widerstand gegen diese Kreise muss sich immer neu finden, und darf nicht durch eine Gewöhnung an die ritualisierte Selbstverständlichkeit des Scheiterns des BER eingeschläfert werden. 

Wir werden sehen, wie lange die ohnehin brüchige Einheit der Gesellschafter noch Bestand haben wird. Insbesondere das arme Brandenburg ist bei der weiteren Finanzierung des Mega-Airports längst an die Grenze seiner Möglichkeiten angelangt. Ich glaube, in Potsdam reift die Erkenntnis, dass man sich mit dem Bau, und insbesondere dem zukünftigen, hochdefizitäten Betrieb des  Airports wirtschaftlich übernommen hat. Brandenburg muss schließlich auch kein Eigentümer des Flughafens sein, um von seinen etwaigen wirtschaftlichen Vorteilen Nutzen ziehen zu können. So wie Brandenburg als Speckgürtel von der wirtschaftlichen Stärke Berlins profitiert, ohne deswegen mit der Hauptstadt ein gemeinsames Bundesland bilden zu müssen. Ich erwarte deshalb, dass Brandenburg sich an etwaigen Erweiterungsinvestitionen des BER nicht mehr beteiligen wird. Wenn Berlin unbedingt einen politisch motivierten Großbau ohne wirklich praktischen Nutzen haben will, dann soll Berlin eben auch dafür zahlen. 

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.