Mühlenfeld geht, Professor kommt

+++ FBB-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld geht +++

+++ Mühlenfeld entließ Marks +++ Feuern und Heuern +++

Trübe Aussichten für den BER
 
Guten Tag,

beim BER und der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) geht zwar nach vorne nicht mehr viel, dafür wird aber regelmäßig das Spitzenpersonal ausgewechselt. Nachdem die Entlassung von FBB-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld schon für den 1.3.2017 erwartet worden war, hat sich der anfänglich tief zerstrittene FBB-Aufsichtsrat nun mit Mühlenfeld auf eine einvernehmliche Trennung zum 7.3.2017 verständigt und den Berliner Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt.

FBB-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld geht

Karsten Mühlenfeld, der 2015 aus dem mittleren Management des Triebwerkherstellers Rolls-Royce kam und eine Stippvisite bei Bombardier vorzuweisen hatte, also von Flughäfen und Flughafenbauen eher weniger verstand, setzt nun also die lange Reihe der Ex-FBB-Geschäftsführer fort, die zu Hoffnungsträgern hochgejubelt wurden und dann zu den alleinigen Sündenböcken für das weiter fortschreitende BER-Desaster gemacht wurden. Nicht anders erging es dem vorherigen FBB-Hoffnungsträger, dem kantigen Hartmut Mehdorn, der 2014 ebenfalls nach ganzen zwei Jahren am Ende war. Und man muss nicht übermäßige Sympathien für Karsten Mühlenfeld hegen, um aktuell dasselbe Muster zu erkennen.

Mühlenfeld entließ Marks

Aber Sündenböcke geben die Sünden gerne weiter: Um sich etwas Luft zu verschaffen, entließ Mühlenfeld am 23.2.2017 Jörg Marks, den FBB-Bereichsleiter Technik. Marks wurde vorgeworfen, Termine nicht eingehalten zu haben, für deren Außendarstellung und Einhaltung aber letztendlich der nun entlassene Geschäftsführer verantwortlich war.

Jörg Marks hatte die Baustellenkenntnis. Er wurde geschätzt wegen seiner Offenheit und seiner Präzision. Nun ist er weg, und mit ihm ist das Wissen weitgehend entlassen worden. Mühlenfeld hatte dieses Wissen nie, und der von ihm holterdiepolter als Berater eingestellte Christoph Bretschneider, der vor 7 Jahren wohl eher unerfreulich bei der Deutschen Bahn ausgeschieden ist, hat es mutmaßlich auch nicht. Zu Bretschneider meinte der Aufsichtsratsvorsitzende der FBB, Michael Müller, dass in den nächsten Tagen Gespräche über die weitere Anwendung des mit Bretschneider geschlossenen Rahmenvertrags geführt werden sollen.

"Das Austauschen einer Person alleine hilft nicht," sagte Mühlenfeld zu den technischen Problemen des BER Anfang 2017. Und er kann sogar schädlich sein. Nämlich dann, wenn zusammen mit der Person wesentliche Qualifikationen "ausgetauscht" werden und damit verloren gehen. Und aus genau diesem Grund wird die von Mühlenfeld ausgesprochene Beurlaubung von Jörg Marks aufgehoben und Marks wird ab sofort seine Arbeit wieder aufnehmen.

Feuern und Heuern

Nun wird also ein neuer FBB-Geschäftsführer antreten: Professor Dr. Lütke Daldrup. Gerade erst zum Staatssekretär ernannt, um im Aufsichtsrat ein besseres Standing zu haben, wird er nun der neue Chef der Flughafengesellschaft. Nur ein neuer Hoffnungsträger oder doch der finale Retter? Lütke Daldrup, kurz "LD" genannt, hat bislang "nur" eine politische Karriere gemacht.

Und noch einer geht und ein anderer kommt: Müller verlässt den Aufsichtsrat und sein dortiger bisheriger Vize wird voraussichtlich die Leitung übernehmen: Rainer Bretschneider. Immerhin, er ist am längsten mit dem Projekt beschäftigt, seit den Tagen der Raumordnung und der Standortentscheidung, und könnte nun endlich zeigen, was er kann. Auch er wird  - wie Müller vor kurzem - sagen:"Wir werden sehen, ob die Geschäftsführung das Eröffnungsdatum darstellen kann. Wir wollen von der Geschäftsführung belastbar hören, wann ein Datum vorliegt."

Auch für den neuen Geschäftsführer und seinen wahrscheinlichen neuen AR-Vorsitzenden wird wohl ein weiteres Zitat von Michael Müller schicksalshafte Bedeutung haben. "Brandmelder und Sprinkleranlage müssen zueinander passen," ließ Müller einmal die verblüffte Öffentlichkeit wissen. Aber leider passt beim BER und seinen Aufsichtsgremien kaum noch etwas zusammen.   

Heute verstieg sich Michael Müller allerdings bei der Pressekonferenz zu der Behauptung, dass er im FBB-Aufsichtsrat eine "hervorragende Situation" vorgefunden hätte, weil doch alle Beteiligten so vertrauensvoll zusammenarbeiten würden. Diese Aussage kann man wohl mit Fug und Recht als postfaktisch oder gar als Fake-News bezeichnen.

Mit der Berufung von Engelbert Lütke Daldrup an die Spitze der FBB-Geschäftsführung ist die bisher schon verhängnisvolle Politisierung der FBB und des BER weiter vorrangeschritten, auch wenn Müller und die Berliner Senatoren aus dem FBB-Aufsichtsrat ausscheiden und demnächst durch Staatssekretäre ersetzt werden. Laut Michael Müller ist Lütke Daldrup "am nächsten dran am BER", aber eben auch an den rein politischen Machtinteressen der Öffentlichen Anteilseigner, die sich oft genug gegen fachlich gebotene Entscheidungen gestellt haben. Das verheißt nichts Gutes für die Zukunft des BER. 

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team
 

ACHTUNG TERMIN:


Volksbegehren TXL-Offenhaltung

Die 2. Phase des Volksbegehrens "Berlin braucht Tegel" befindet sich auf der Zielgeraden und dauert noch bis zum 20. März 2017 an. Es müssen 174 000 Unterschriften mit einem zusätzlichen Puffer von 30 000, also über 200 000 Unterschriften, gesammelt werden. Bitte laden Sie sich die Unterschriftenliste "Zustimmung zum Volksbegehren über den Weiterbetrieb des Flughafen Berlin-Tegel Otto Lilienthal TXL" herunter.

Unterschriftsberechtigt sind nur Personen, die am Tage der Unterzeichnung zum Abgeordnetenhaus von Berlin wahlberechtigt sind, d.h.  alle Deutschen, die 18 Jahre alt, mindestens seit drei Monaten vor diesem Tag in Berlin mit ihrer alleinigen Wohnung oder mit ihrer Hauptwohnung im Melderegister verzeichnet und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.

Weitere Infos zum Stand des Volksbegehrens bitte unter www.tegel-bleibt-offen.de einsehen.

Am Ende des Newsletters - auf www.brennpunkt-ber.de - finden Sie eine einfach zu handhabende Kommentarfunktion.

twitter.com/brennpunktber

© DTT 2017. Alle Rechte vorbehalten. Direkte und indirekte Textzitate sind nur mit einer vollständigen Quellenangabe zulässig.

Text & Redaktion:
Wolfgang Przewieslik
Yorckstr. 74
10965 Berlin

wolfgang.przewieslik@brennpunkt-ber.de
www.brennpunkt-ber.de
 

Kommentare

Am erstaunlichsten an der ganzen Posse ist eigentlich die Unbedarftheit, mit der die Arbeitnehmervertreter des Aufsichtsrates sich hier haben instrumentalisieren lassen. Da sieht man doch deutlich die Unerfahrenheit der numerisch neuen Macht im Gremium.

Die Arbeitnehmervertreter haben sich völlig unnötig in einen internen Machtkampf der öffentlichen Anteilseigner hineinziehen lassen, anstatt zuvor die Arbeitgeber aufzufordern, sich erstmal untereinander zu verständigen, ehe sie auf die Arbeitnehmerseite zugehen. So liessen sich die Vertreter der Beschäftigten schlicht von Berlin und dem Bund gegen Brandenburg ausspielen, und finden sich anscheinend in der Rolle der politischen Manövriermasse problemlos zurecht.

In welcher Weise dient denn das heutige Ergebnis dem Interesse der Beschäftigten? Mühlenfeld, der eigentlich den Umständen entsprechend kein so schlechtes Bild geliefert hat, ist weg. Dafür kommt ein völlig unbeschriebenes Blatt als Nachfolger. Müller hat endlich den Vorwand, nachdem er immer suchte, den Aufsichtsrat zu verlassen, und seine Senatoren gleich mit ihm. In Zukunft sitzt im Gremium nur noch die 2. Mannschaft, und die Arbeitnehmer verlieren somit den direkten Zugang zur politischen Macht. Technikleiter Marks ist, sofern er überhaupt noch zurück kommt, deutlich geschwächt, und damit der nächste auf der Abschussliste. Von Finanzchefin Fölster ganz zu schweigen. Und dieses ganze Chaos soll den Interessen der Arbeitnehmer dienen?

Die Vertreter der Beschäftigten haben bei ihrer ersten, und wahrscheinlich wichtigsten Bewährungsprobe gezeigt, dass diese Funktion für sie ein paar Nummern zu hoch ist. In Zukunft werden sie in ihrem entwerteten Gremium nur noch anonyme Mitspieler sein.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.