Kein BER, kein Olympia!

+++ Spielerei mit den Spielen +++ Weitere Politisierung der Flughafengesellschaft +++ Müllers rapider Ansehensverlust +++

Im Ketchup-Mayo-Design: Wir, der Berliner Senat und seine Verbände, wollten die Spiele, weil der BER bis 2024 fertig sein könnte? Nur klägliche 55% der Teilnehmer einer Forsa-Telefonumfrage sagten in Berlin Ja zu dieser Wette.  


Guten Tag,

unbeschadet der Tatsache, dass die chancenreiche deutsche Bewerbung um die Fußballeuropameisterschaften 2024 ein weiteres Großereignis im gleichen Jahr in Deutschland ausschließt, wurde nun die Farce eines deutschen Olympia-Kandidaten für 2024 mit der Empfehlung für Hamburg fortgeführt.    

Für diese Kulissenschieberei hatte sich Berlin, dass sein zentrales Infrastrukturprojekt, den BER, seit Jahren nicht in den Griff bekommt, schon von Anfang an disqualifiziert. Und die mangelhafte Unterstützung durch die Bevölkerung konnte ebenfalls nicht dauerhaft schöngeredet werden, auch wenn die Berliner B.Z. titelte: "Berlin: 55% Hamburg: 64% Unentschieden".

Die Aussage des Vorsitzenden des Landessportbundes Berlin (LSB) und ehemaligen Berliner Sportsenators Klaus Böger, der Anfang des Jahres ausdrücklich - oder aus Jux? - erklärt hatte, dass der BER zur Olympiade 2024 fertig sein müsste, erwies sich ebenso wenig als hilfreich. Auf diese Terminwette wollte sich wohl noch nicht einmal der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einlassen.

Spielerei mit den Spielen

Wenig glaubwürdig waren zudem die Berliner Etatangaben für Olympia, die sich auf maximal 2,2 Mrd. Euro, inklusive der Kostensteigerungen der nächsten 9 Jahre, beliefen. Hamburg gab 6,5 Mrd. Euro an, und die traditionelle Sportstadt London hatte für Olympia 2012 sogar 12 Mrd. Euro ausgegeben.

Begründet wurde das Berliner Low-Budget mit der bizarren Behauptung, dass vermeintlich zwei Drittel der erforderlichen Sportstätten schon vorhanden wären und "nur" noch renoviert werden müssten. Dazu zählte wohl auch die Regatta-Strecke in Berlin-Grünau, gebaut 1936.

Und sollten beim BBI/BER schon bis 2012 famose 40 000 Arbeitsplätze neu entstehen, was dann schnell in eine Garantie schon bestehender Jobs abgeschwächt wurde, wurden im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Berlin 50 000 neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Diese Aussicht war aber genauso trübe, wie die Berliner Budget-Angabe unseriös war.

Ja, Berlin braucht Großereignisse genauso dringend wie Hertha BSC Punkte gegen den Abstieg. Es sollten aber schon reale Ereignisse sein, und vor der Kür kommt bekanntlich die Pflicht.

Weitere Politisierung der Flughafengesellschaft  

Der Regierende Bürgermeister Müller hatte seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat mit der Notwendigkeit einer Professionalisierung und Entpolitisierung der Flughafengesellschaft begründet. Tatsächlich aber  betreibt Müller aktuell genau das Gegenteil.

Aufgrund dieser Gemengelage erklärte nun der designierte Aufsichtsratsvorsitzende und ehemalige Rolls-Royce Manager Axel Arendt seinen Rückzug aus dem Kontrollgremium, in das er erst im Dezember 2014 eingetreten war. Der Favorit des Regierenden Bürgermeisters Müller für den Vorsitz des weiterhin führungslosen Gremiums soll dem Vernehmen nach der Berliner Baustaatssekretär Engelbert Lütke-Daldrup sein, der außer seiner politischen Abhängigkeit von Müller keine weitere Expertise in Flughafenfragen einzubringen hat.

In seinem abschließenden Interview mit der Berliner Morgenpost vom 13.3.15 erklärte der scheidende Flughafengeschäftsführer Hartmut Mehdorn u. a. folgendes:
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Berliner Morgenpost: Jetzt gehen ja alle Spitzenpolitiker aus dem Aufsichtsrat. Wäre das nicht eine gute Gelegenheit zu sagen: Mit den Neuen, die da reinkommen, lässt sich besser zusammenarbeiten, weil es nicht mehr so ein Schaukampf ist?

Mehdorn: Es ändert sich ja nichts. Sie gehen nur in der Rangliste eine Stufe runter. Auf Senatoren und Minister folgen jetzt Staatssekretäre und politische Beamte.
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Mehdorn: Als Geschäftsleitung können Sie nicht drei Regierungen koordinieren.
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Mehdorn: Eine der problematischen Weichenstellungen war, auf einen Generalunternehmer für den Bau zu verzichten. Die Politiker sind auf den süßen Honig reingefallen, dass der Flughafen das selber besser könnte. Was die an Gewinn machen, sparen wir. Aber das klappt nicht. Wir können Flughäfen betreiben. Das machen wir wirklich gut. Aber wir können keinen Flughafen bauen. Die Flughafengesellschaft konnte das noch nie.
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Die Konsequenzen aus dieser sehr zutreffenden Beschreibung wird auch der neue Flughafengeschäftsführer Karsten Mühlenfeld noch zu spüren bekommen. Die Politik wird beim BER daher auch weiterhin den Vorrang vor jedwedem Sachverstand haben.
 
Müllers rapider Ansehensverlust

Der Regierende Bürgermeister Müller, dessen Mantra die "Solidarische Stadt" ist, hat nun in den wenigen Monaten seiner Amtszeit das erreicht, wozu sein Vorgänger Klaus Wowereit fast 14 Jahre benötigte, nämlich den rapiden Verlust seiner Glaubwürdigkeit.

Und wird der BER bis zur Olympiade 2024, wo immer sie auch stattfinden wird, fertig werden?

Der Siemens-Chef Josef Käser mahnte 2013 schon einmal Geduld bis 2023 an. Es könnte also klappen, dass der BER 2024 fertig sein wird, aber mit dem Konjunktiv ist bekanntlich weder Staat, noch Stadt und erst recht kein Flughafen zu machen.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team



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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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