Der BER-TXL-Komplex - oder wie die Politik fortgesetzt versagt

+++ TXL - der angesagte Flughafen +++ Notwendigkeit TXL offen zu halten - ein offenes Geheimnis +++

+++ Immer wieder: FBB-Aufsichtsratssitzungen ohne Ergebnis +++

 

Guten Tag,

wir haben die im März 2008 ins Leben gerufene Werbe-Kampagne des Berliner Senats "be Berlin" von Beginn an für anbiedernd und verlogen gehalten, weil im gleichen Jahr der Wowereit-Senat, assistiert vom damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Michael Müller, ein Berliner Tor zur weiten Welt, den Flughafen Tempelhof, ohne Sinn und Verstand schließen ließ und damit demonstrierte, wie Berlin nicht sein sollte, nämlich starrsinnig und unbeweglich.  

TXL - der angesagte Flughafen

Ein Motiv dieser verquasten "be Berlin"-Kampagne hatte es uns aber auf Anhieb angetan: "TXL: the place to be" von 2012. Wir vermuten, dass hier im Stillen Verschwörer am Werke waren, die zur rechten Zeit das Richtige taten. Lange war dieses Motiv jedenfalls nicht zu sehen.

Jahre später ist Tegel in aller Munde und man könnte die Initialen TXL gegen THF von 2008 tauschen, da sich die Konstellationen doch sehr ähneln. In der Berliner Zeitung erschienen im Abstand von nur 6 Tagen die doch etwas gegensätzlichen Artikel "Parallelbetrieb von BER und Tegel unmöglich" und "Wenn der BER öffnet, muss in Tegel noch nicht Schluss sein". Für die erste Aussage wurde fälschlicherweise die zuständige Fachaufsicht, die Deutsche Flugsicherung (DFS), in Anspruch genommen, die dann leider erst im zweiten Artikel wahrheitsgemäß zitiert wurde. Immerhin kann man dem Blatt für seinen finalen Mut zur sachlichen Richtigkeit danken.  

Notwendigkeit, TXL offen zu halten - ein offenes Geheimnis

Mehrere Zeitungstitel machten in den letzten Tagen nun mit der reißerischen Nachricht auf, dass es sogenannte Geheimpläne der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) geben würde, die eine Offenhaltung von TXL als Regierungs- und Business-Airport zum Inhalt hätten. Nun ist Geheimes weder überprüfbar, noch wirksam. Wir plädieren daher für das Notwendige und das ist heutzutage ein offenes Geheimnis, nämlich die Notwendigkeit der Erhaltung des Flughafenstandorts TXL - in welcher Form auch immer.

Die Macht des Faktischen wird daher nicht den Regionalflughafen Leipzig mit seiner zwangsläufig unzureichenden Kapazität in den Vordergrund spielen, sondern die TXL-Offenhaltung, die, angesichts zunehmender struktureller BER-Probleme, das einzige Mittel der Wahl ist, mit dem die dauerhafte Schädigung Berlins überhaupt noch abgewendet werden kann.  

siehe auch : www.tegel-bleibt-offen.de

2011: Der Boeing 787 Dreamliner in TXL

Immer wieder: FBB-Aufsichtsratssitzungen ohne Ergebnis

Im aktuellen Newsletter der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), dem Politikbrief vom 4.10.2016, verrät uns ein flott frisierter Flughafengeschäftsführer Mühlenfeld, dass er nur noch auf den Stempel des Bauordnungsamtes für den 5. Nachtrag zur BER-Baugenehmigung warten würde. Die Signale wären – auch nach Einreichung der 5. Nachreichung zum 5. Nachtrag - positiv und man könnte sich anschließend daran setzen, den 6. Nachtrag zu "aktualisieren und noch einmal einzureichen".

Im sogenannten BER-Barometer werden zudem weiterhin Wasserstandsmeldungen verkündet, die inzwischen jeden Wert verloren haben. Neben wertlosen Prozentangaben für die vermeintliche Fertigstellung bestimmter Bauteile ist u.a. der folgende Satz zu lesen: "Sehr gut vorangekommen sind wir bei einem unserer Kernprobleme, dem Brandschutz." Eine erstaunliche Aussage nach einer jahrelangen Krisengeschichte allein dieses Bauabschnitts. Bevor es untergeht: Die Fertigstellung insgesamt liegt derzeit bei 73%, was angesichts des Zielwertes „Fertigstellung des Baus im August 2016“ doch nachdenklich machen muss: In den letzten zwei Monaten wurde der Wert um 1%-Punkt gesteigert.  

Das Beratungsunternehmen Netherlands Airport Consultants (Naco), das dem Vernehmen nach den Zustand des BER tatsächlich als „verheerend“ bezeichnet haben soll, wird hier nun als Fürsprecher benannt, und über den Beratungskonzern Roland Berger wird ausgeführt, dass sich das Unternehmen "statistisch damit beschäftigt" habe, ob eine BER-Eröffnung 2017 zu schaffen wäre. Mühlenfelds Antwort lautet: "2017 könnte klappen." Was er nicht sagt: Sein Projektleiter Hörmann hat das Haus verlassen – ob freiwillig oder unfreiwillig ist nicht bekannt.

Im Klartext: Auf der kommenden FBB-Aufsichtsratssitzung am 7.Oktober wird, obwohl versprochen, erneut kein Eröffnungsdatum verkündet, aber grundsätzlich weiterhin an der schon längst überholten Jahreszahl 2017 festgehalten werden. Und höchstwahrscheinlich wird erst im Verlauf des kommenden Jahres die Katze aus dem Sack gelassen werden, selbstverständlich unter Beschwörung von schicksalshaften Mächten und der weiter wirkenden eigenen Gutwilligkeit.   

Bis auf weiteres werden daher alle BER-Auftragnehmer weiterhin trefflich an den Aufträgen der in öffentlichem Besitz befindlichen Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) verdienen dürfen, ohne dass sie sich um eine allzu schnelle BER-Eröffnung allzu viele Sorgen machen müssen.

Kann man das ein fortgesetztes Versagen der politisch besetzten und dem öffentliche Wohl verpflichteten BER-Kontrollinstanzen nennen? Ja, das kann und muss man so sehen.     

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team



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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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