Der BER-Misserfolg hat viele Väter - und es werden immer mehr

+++ BER-Eröffnungstermine fallen, wie die Blätter im Herbst +++
+++ TXL alternativlos +++ Politisches Versagen, wohin man blickt +++

BER: Nicht namens- oder elternlos, aber ohne Flugverkehr


Guten Tag,

man sagt, dass der Misserfolg ein Waise sei und nur der Erfolg viele Väter hätte. Der BER zeigt, dass es auch anders geht: Die Zahl seiner Väter und Mütter wächst beständig, wobei der Misserfolg aber immer monströsere Formen annimmt, was aber offenbar keinen der Beteiligten so richtig stört. Und der Regierende Bürgermeister von Berlin und ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Michael Müller, hat jüngst mit Vitali Klitschko auf die BER-Eröffnung gewettet. Es geht dabei um eine Nikolausmütze. Kein Bild könnte die Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit der Beteiligten wohl besser beschreiben. 

+++ BER-Eröffnungstermine fallen, wie die Blätter im Herbst +++

BER-Termine oder vielmehr "Nicht-Termine" werden grundsätzlich verschoben. Je häufiger, umso schlechter. Denn es gibt ja heute für die Eröffnung des BER schon gar keinen Termin mehr, und der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider (Land Brandenburg), schlug der Berliner SPD-Fraktion erst am letzten Donnerstag diesen Satz um die Ohren: "Sie können sich selbst einen Reim darauf machen, ob der BER 2018, 2019 oder später eröffnen wird." Für solche Aussagen braucht man keinen Aufsichtsratsvorsitzenden.

Das klingt doch schon ganz anders als die Aussage des brandenburgischen Ministerpräsidenten: "Eine nochmalige Verschiebung können wir uns auch für das Image des Landes nicht leisten." Aber das war ja auch schon 2012, also vor 5 Jahren, und der Ministerpräsident hieß Platzeck. So deutlich hat noch niemand der Verzweiflung Ausdruck gegeben, die rund um den BER herrscht.

Bislang wurde stolz erklärt, man habe nun alle notwendigen Genehmigungen erhalten, auch zur 5. Nachlieferung für den 6. Nachtrag, und es wurde genauso stolz auf Bildern posiert, wie die Mitarbeiter der BER eine ganze Wagenladung von Anträgen zur Aufsichtsbehörde brachten. Jetzt muss man frustriert feststellen, dass es für die dramatischste Änderung neben dem bekannten Tür-Problem, nämlich die Verlegung von 2 km Sprinkler-Zuleitungsrohren, noch nicht einmal eine fertige Planung gibt. Man musste eingestehen, dass Bosch recht hatte, es gebe keinen kompletten Plan, und deshalb könne man nicht weiterbauen. Der Bau-Fortschrift der beiden letzten Monate betrug Null, von 89% auf 89%. Und hier sind die 2 km Rohre noch nicht abgebildet.

+++ TXL alternativlos +++

Aber was für ein Glück. Eine Ablenkung für die Öffentlichkeit bietet sich mit dem Thema TXL. Mit zunehmend windigen Argumenten geht der Berliner Senat gegen die Befürworter eines Weiterbetriebs von TXL vor. Der Gipfel ist, wenn behauptet wird, der Weiterbetrieb ruiniere die Entwicklung der Stadt und die Kapazitäten des BER seien ausreichend. Es gibt in Fachkreisen außerhalb der Berliner Senatskoalition niemand, der das bestätigen wird.

Nachdem die Sorgen um ausreichende Kapazität für den Berliner Flugverkehr größer geworden waren, stellte man kürzlich in einer Pressekonferenz die Grundzüge eines Masterplans bis 2040 vor. Die für dieses Jahr zugrundegelegte Passagierzahl von 55 Mio. Passagieren wird aber voraussichtlich schon 10 Jahre vorher erreicht werden. Doch das ficht niemand an. Im eleganten Vorbeischwindeln war man schon immer Meister. So sagte Berlins Regierender Bürgermeister vor 10 Monaten: "Die Bautätigkeit ist im Wesentlichen abgeschlossen. Es ist möglich, in 2016 den Bau dann wirklich abzuschließen Es ist seriös zu sagen, dass wir diesen Zeitplan einhalten können." Heute wissen wir, dass die Bautätigkeit nicht einmal 2018 abgeschlossen werden dürfte und es vor 2020 keine Eröffnung gibt. So sieht Seriosität in Sachen BER aus.

+++ Politisches Versagen, wohin man blickt +++

Zum Thema TXL: Wir unterstützen, ja wir fordern selbstverständlich den Weiterbetrieb von TXL. In Anbetracht der aktuell überbordenden Passagierzahlen ist ein paralleler Betrieb wirtschaftlich, sind die rechtlichen Probleme, die es allein beim Widerruf der TXL-Betriebsgenehmigung gibt, beherrschbar und wird man sich um den notwendigen Lärmschutz kümmern. Vergessen wir nicht: Eine alternative Erweiterung des BER für 22 Mio. Passagiere (derzeitiges Volumen in TXL) samt einer Landebahn wird über 3 Mrd. Euro kosten – so eine weitere Landebahn am BER überhaupt genehmigt wird. Der Berliner Senat und die Brandenburger Landesregierung "vergessen" diese Alternative einer faktenbasierten Darstellung und die dazugehörigen Kosten.

Wo steht das Projekt? Keiner weiß es. Nachdem 6,5 Milliarden Euro ausgegeben wurden, und wo jeder Monat weiteren Verzugs 17 Mio. Euro kostet. Eine größere Blamage als das von Herrn Bretschneider locker Dahingesagte kann es kaum geben. Die Zahl der BER-Väter von der traurigen Gestalt nimmt also tatsächlich immer weiter zu.

Da trifft es sich schlecht, dass der Vorsitzende der Geschäftsführung, Prof. Dr. Lütke Daldrup, eine Reise nach China und Japan angetreten hat, um für Flugverbindungen nach Berlin zu werben. Wird er den Fachleuten dort berichten, dass es für solche Verbindungen vor 2020 weder Terminal- noch Vorfeldkapazitäten gibt und nach 2020, sollte TXL geschlossen werden, erst recht nicht?

Aber was reden wir von 2020? Der Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG, Josef Käser, mahnte schon 2013 "mehr Gelassenheit" in Sachen BBI/BER-Eröffnung an - für einen Zeitraum von 5-10 Jahren. Die 5 Jahre sind sicher, und auch die 10 Jahre nähern sich rapide. Dann sind wir im Jahr 2023.  

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team


Am Ende des Newsletters - auf www.brennpunkt-ber.de - finden Sie eine einfach zu handhabende Kommentarfunktion.


twitter.com/brennpunktber

© DTT 2017. Alle Rechte vorbehalten. Direkte und indirekte Textzitate sind nur mit einer vollständigen Quellenangabe zulässig.

Text & Redaktion:
Wolfgang Przewieslik
Yorckstr. 74
10965 Berlin

wolfgang.przewieslik@brennpunkt-ber.de
www.brennpunkt-ber.de

Kommentare

Liebe Redaktion,

ihr habt den inzwischen schon alltäglichen BER-Wahnsinn wieder sehr gut auf den Punkt gebracht. Man kann jetzt sicher leicht in Häme und Schadensfreude verfallen, aber eigentlich ist es nur traurig, den Verfall einer politischen Ordnung so hautnah mit zu erleben, in der die führenden Repräsentanten inzwischen jegliche Selbstachtung und Wertschätzung verloren haben. Beim BER gibt es hier leider keine Grenze nach unten. Fortsetzung ist garantiert.

Ich meine, ein aktives Votum für den Erhalt des Flughafens Tegel tut allen gut. Sicher bestehen bei einer Fortführung des Flugbetriebs technische und rechtliche Hürden. Aber was ist bitte die Alternative ? Soll man Tegel einfach schließen, im blinden Vertrauen auf die Politiker-Versprechen, dass beim BER alles glatt laufen wird ? Niemand mit einem Minimum an Sachkenntnis kann angesichts der dynamisch wachsenden Verkehre davon ausgehen, dass der BER alleine die Versorgung der Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg in den kommenden Jahren gewährleisten kann. Also brauchen wir Tegel. Und selbst wenn der Senat jetzt schon ankündigt, ein positives Wählervotum einfach übergehen zu wollen, es zählt der Ausdruck der eigenen Entschlossenheit, den Niedergang nicht tatenlos und gottergeben hinzunehmen. Wir Bürger sind keine Lakaien der Flughafengesellschaft und der sie tragenden politischen und wirtschaftlichen Kreise. Wenn der Senat schon beschließt, Berlin in den Abgrund zu reißen, dann soll er dies bitte nicht noch mit einem Wählerauftrag verbinden können.

Bleibt also am Ball, und informiert die Menschen weiter über die Entwicklungen in Berlin, rund um den BER und Tegel. All zu viel gute Medienangebote gibt es in Berlin nicht, und jede Stimme der Vernunft wird dringend gebraucht.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.