Der BER - ein Produkt aus Berlin und Brandenburg

+++ Ist der BER zu 95 oder 98% fertig, wann kommen die 100%? +++ Steht Tempelhof zu 52,7% leer? +++

 

 

Guten Tag,

die Sommerzeit, auch gerne als Saure-Gurken-Zeit bezeichnet, in der es ursprünglich nur die selbigen zu essen gab, gilt als nachrichtenarme Zeit.

Die Berliner Senatskanzlei wollte dieses Nachrichtenvakuum offenbar füllen und schrieb unter der Kennzahl 13/14 eine Referenten-Stelle im Referat III B in der Arbeitsgruppe Flughafenentwicklung aus.

Zum einen kann man sagen, lieber spät als nie, anderseits stellt sich die Frage, wie Klaus Wowereit bisher ohne einen entsprechenden Fachreferenten auskommen konnte. Im Blätterwald gab es jedenfalls viel Hohn und Spott. Manche meinen, na ja, man sehe ja, was dabei herausgekommen ist.

Kurzum, bis zum 15.8.14 können sich Interessierte beim Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – ZD 1 –, Jüdenstr. 1, 10178 Berlin bewerben.

Geboten wird ein Grundgehalt von 45 107,02 EUR/Jahr - und bestimmt jede Menge Training on the Job.

Der Stelleninhaber (wie heute üblich m/w) wird mit dazu beitragen dürfen, das PR-Desaster BER zu entschärfen, wobei wenigstens in Aussicht zu stellen wäre, wann der ewig unfertige BER von 95 bzw. 98% endlich auf 100% kommen könnte, wobei ganz nebenbei die ausufernden Kosten wenigstens optisch einzugrenzen wären. Je zahlreicher die Konjunktive, je verschachtelter der Satz, desto komplizierter die Aufgabe.

Punkte wie das Handling der knappen bzw. unzureichenden Airport-Kapazität und die Standortsicherung für die Flugbereitschaft der Bundesregierung kommen noch hinzu. Nicht zu vergessen ist selbstverständlich auch die Ausweisung von Notfall- u. Ersatzkapazitäten für den BER, die nach heutigem Stand erst in Hannover oder Leipzig liegen.
 
Und da ist noch ein Detail, das der Bearbeitung harrt:

Der Fertigstellungsgrad des notwendigen Tunnels für die Schienenanbindung des BER über die Dresdner Bahn im Süden Berlins bleibt nach wie vor bei 0 Prozent stehen.

15 Jahre lang wurde hier versucht, gegen den berechtigten Widerstand von ca. 80 000 Anwohnern eine ebenerdige, viergleisige Schnellbahntrasse für ca. 600 Züge/Tag durchzusetzen, dort wo jetzt eine einspurige S-Bahnverbindung liegt. Die Bauzeit für den nun endlich auch von Bahnchef Rüdiger Grube befürworteten Tunnel wird wohl nicht unter 5 Jahren zu haben sein, wann immer auch mit den Bauarbeiten begonnen werden sollte. Das bedeutet: Wenn der BER mal eröffnet wird, ist es erst einmal nichts mit den "20 Minuten in die City".

Last but not least präsentierte die für den geschlossenen Flughafen Tempelhof zuständige Tempelhof Projekt GmbH ihre Zahlen.

Selbstverständlich schießen die Besucherzahlen von Veranstaltungen und Gelände beständig in den Himmel. Erwarteten Einnahmen in Höhe von 15,5 Mio. EUR für 2014, stehen Ausgaben von 12,9 Mio. EUR gegenüber, was einen vermeintlichen Gewinn von 2,6 Mio. EUR ergibt, wobei bedauerlicherweise die Instandhaltungskosten von ca. 7,5 Mio. EUR/Jahr nicht mit eingerechnet wurden.
 

 

Als 2011 schon einmal erstaunliche Gewinne von 500 000 EUR ausgewiesen wurden, antworteten wir mit der oben stehenden Grafik. Anstatt einer transparenten Bilanz gab es damals seitens des Betreibers vage Aussagen wie diese:"... die Stilllegung nicht mehr benötigter Anlagen wie Tankstellen und Flugbefeuerungsanlage trugen ebenso zur Einsparung bei. Der Aufwand für die Bewirtschaftung sank so um fast 8 Millionen Euro" - wobei unerwähnt blieb, dass Tankstellen und Flugbefeuerung schon seit der Flughafenschließung 2008 außer Dienst gestellt waren.

Aktuell meldet die Welt kompakt am 28.7.14, dass in Tempelhof vermieteten Flächen von 53 700 qm ein Leerstand von 60 000 qm gegenübersteht*), was einem Leerstand von 52,7% entspricht. Davon unbeeindruckt sagte Gerhard Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, der Berliner Morgenpost am 25.7.14: "Das Flughafengebäude steht nicht leer und produziert kein Defizit mehr."

Mit behaupteten Gewinnen oder Vermietungsquoten des BER wird sich der neue Mitarbeiter im Referat III B der Senatskanzlei jedenfalls erst einmal nicht beschäftigen müssen. Und selbst das Minimalziel, das fatale Image einer Dauerbaustelle abzuschütteln, wird sich wohl nur schwer realisieren lassen.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

*) Berliner Polizei 47 000 pm, Verkehrslenkung 4 000 pm, Deutsches Theater 2 700 pm, insgesamt also 53 700 pm. Dem steht ein Leerstand von 60 000 pm Quadratmeter an Büro-, Lager- und Gewerbeflächen, die sofort vermietbar wären, gegenüber, was einer Leerstands-Quote von 52,7% entspricht.


P.S.

Oder ist das der neue Hauptstadtflughafen?


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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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