Das örtliche BERmuda Dreieck

Am 1.1.2014, kurz nach dem Sonnenaufgang um 8 Uhr 16, wurde über Schönefeld eine aus südwestlicher Richtung einfliegende F-4 Phantom gesichtet. Die Maschine besaß keinerlei Hoheitszeichen und verschwand nach wenigen Augenblicken spurlos. Die Ermittlungen dauern an.

 

Guten Tag,

im BERmuda-Dreieck zwischen der Berliner Senatskanzlei, der Potsdamer Staatskanzlei und dem BER-Standort, sind bis jetzt zwei Aufsichtsratsvorsitzende, diverse Flughafenmanager, 5 Eröffnungstermine und diverse Milliarden Euro an Steuergeldern im märkischen Sand verschwunden.

Und nach langen Jahren der tätigen Sympathie für die hiesige Flughafenpolitik, die neben dem vermeintlich modernsten Flughafen Europas ca. 40 000 Arbeitsplätze bereits bis 2012 schaffen wollte, gilt seit kurzem selbst unter der senatstreuen Berliner Qualitätspresse der BER nun als ein Verliererthema - mit dem die Regierungschefs aus Brandenburg und aus Berlin aber vollkommen unterschiedlich umgehen.


Dietmar Woidke, der Nachfolger von Matthias Platzeck im Amt des Ministerpräsidenten, will nach den Brandenburgischen Landtagswahlen am 14.09.2014 auf keinen Fall als Verlierer in die Geschichte eingehen: Er hielt deshalb von Beginn an einen großen Sicherheitsabstand zu dem heiklen Flughafen-Projekt. Er vermied den Eintritt in den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, und ließ sich vier Monate Zeit, bis er in diesen Tagen den Flughafentorso BER besichtigte.

Dort traf Woidke dann auf den Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Hartmut Mehdorn, der ab Sommer 2014 den dann weiterhin unfertigen Airport in einem extra dafür umgebauten Teilbereich "testen" will, was wohl eher der Simulation einer Simulation entsprechen wird.

Und Wowereit, der im Dezember 2013 erneut den Aufsichtsratsvorsitz der Flughafengesellschaft übernahm, um mutmaßlich eher die politische als die fachliche Kontrolle über den BER wieder zu erlangen, will nun 2015 erklären, ob er bei den Abgeordnetenhauswahlen 2016 erneut als Regierender Bürgermeister antreten wird. Rechtzeitig festgestellte, vermeintlich substanzielle, Fortschritte des BER werden dann wohl eine erneute Kandidatur ermöglichen - oder eine ganz persönliche Exit-Strategie begründen.  

Und wen kümmert die tatsächliche Fertigstellung des BER noch? Wohl nur noch wenige, denn auch dieses Ziel ist im örtlichen BERmuda-Dreieck schon so gut wie verschwunden - aber das sollte nicht so bleiben.

Wir wünschen unseren Lesern für 2014 alles Gute,
beste Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

   
Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Das wirklich Schlimme am BER sind noch nicht einmal der langjährige Stillstand, oder die ausufernden Kosten, sondern vielmehr, dass ihn praktisch keiner vermisst. Das bestehende System mit dem Flughafen Tegel im Zentrum erfüllt die verkehrstechnischen Anforderungen der Hauptstadtregion so gut, dass praktisch kein Platz mehr für den BER bleibt. Das Bewährte verdrängt die Seifenblase. Es war immer nur eine hochstilisierte Unwahrheit, zu behaupten, Berlin bräuchte den neuen Flughafen, da sonst der Verkehrsinfarkt droht. Genauso, wie es eine Lüge war, der Markt habe sich gegen den Flughafen Tempelhof entschieden. Die ideologische Verblendung von Klaus Wowereit und seiner linken Entourage und die blinde Obrigkeitshörigkeit der populistischen Berliner Medien führten schließlich zu diesem absoluten Niedergang, freilich, ohne irgendwelche Konsequenzen oder Lehren hieraus zu ziehen. Die eigentlichen Probleme werden erst anfangen, wenn ein regulärer Betrieb des BER tatsächlich einmal durchgeprügelt werden sollte. Erst dann wird aus der jetzigen Posse tatsächlich ein Drama. Wir können aber für jedes Jahr dankbar sein, an dem uns der gute Flughafen Tegel erhalten bleibt.

Es ist einfach unglaublich, wie die Verantwortlichen es geschafft haben, dieses BER-Chaos bis zum 02.06.2012 so lange geheim zu halten. Das kann nur mit viel Druck und Angst vor Jobverlust passiert sein. Selbst am Flughafen TXL traute man sich lange nicht, sich zu PRO-TXL zu bekennen.

Man kann über Herrn Mehdorn geteilter Meinung sein, aber ich denke, er versucht dieses Chaos am BER wenigstens teilweise zu retten. Dieses Chaos darf nicht unkommentiert bleiben. Sehr schön, dass es diesen BER-Newsletter gibt.

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