BER: Unvollendet, aber profitabel geredet

+++ Politik und BER-Geschäftsführung träumen +++ Grüne Pläne für Tempelhof +++ Besuch im Depot des Alliierten Museums in Tempelhof +++

Tempelhof, ein Flughafen, den Klaus Wowereit und Michael Müller nicht mehr haben wollten. BER, ein Flughafen, den die gleichen Herren bisher nicht fertig bekommen haben.

Guten Tag,

seit vielen Jahren ersetzt BBI/BER-Rhetorik nicht vorhandene BER-Tatsachen. Aktuell sind in diesem Zusammenhang besondere Stilblüten zu besichtigen.

Politik und BER-Geschäftsführung träumen

Nach dem allgemeinen Verständnis haben sowohl die Politik als auch die Geschäftsführungen von öffentlichen oder privaten Unternehmen die Aufgabe, Probleme zu lösen und Ergebnisse zu erzielen. Aber auch diese Selbstverständlichkeit scheint in Berlin und Brandenburg im Zusammenhang mit dem BER nicht zu gelten.

So staunte die interessierte Öffentlichkeit nicht schlecht, als der Regierende Bürgermeister Müller eine "BER-Privatisierung", die wohl darin bestehen würde, einen "negativen Kaufpreis" zu vereinbaren, sprich dem "Käufer" öffentliches Geld zu geben und den BER damit politisch unsichtbar zu machen, erst einmal ablehnte. Diese Ablehnung begründete Müller damit, dass der BER nach seiner Eröffnung Profite abwerfen werde und man diese nicht aus der Hand geben werde.

Flughafengeschäftsführer Mühlenfeld assistierte dem Regierenden Bürgermeister umgehend, und meinte, laut Märkische Allgemeine vom 22.6.2015: "Der Flughafen wird eine Cash-Cow", vulgo ein Goldesel. Man muss sich hier fragen, was für ein "Cash" denn gemeint ist. Etwa ein Bilanzergebnis? Ein EBIT – also ein Ergebnis ohne die Zinsen für die bisherigen Kredite im Umfang von 4-5 Mrd. Euro? Auch in diesem Punkt wird der zukünftige Kontakt mit der Realität ein durchaus schmerzhafter sein, da vom BER tatsächlich für lange Jahre Verluste und keine Gewinne zu erwarten sind.

Schon 2014 wurde, unter der Maßgabe, dass die BER-Flughafengebühren und die Erlöse aus dem Non-Aviation-Sektor (Shops etc.) um mindestens 50% steigen müssten, ein jährlicher BER-Verlust von ca. 150 Mio. Euro prognostiziert. Die BER-Kuh wird wohl also keine Milch abgeben können, der Esel keine Dukaten, sondern der BER wird im Gegenteil sogar weiter am Tropf der Öffentlichen Hand hängen müssen.   

Und die zwischenzeitliche Ablehnung einer "BER-Privatisierung" durch den Rein-Raus-Rein-BER-Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Müller muss man wohl nicht allzu ernst nehmen. Mühlenfeld verriet der Märkischen Allgemeinen zudem, dass ein Drittel von "200 BER-Meilensteinen" abgearbeitet sei und er sich als Flughafengeschäftsführer in einem "täglichen Häuserkampf" befände. Es ist wohl nicht allzu gewagt, hinter diesem Wortgeklingel die nächste Absage der BER-Eröffnung zu vermuten.
   
Grüne Pläne für Tempelhof

Seitdem der funktionsfähige und potentielle Ergänzungsflughafen Tempelhof ohne Sinn und Verstand im Jahr 2008 von Klaus Wowereit und Michael Müller geschlossen wurde, erlebt man auch hier ein permanentes Vorbeireden an den Tatsachen, das mit der Realität nicht viel zu tun hat.

Nach dem jeweils von verschiedenen Seiten vorgeschlagenen Freibad, dem "Puffhafen", dem Kletterfelsen und nach den Unternehmen, die niemals kamen, schlagen nun die Berliner Grünen die Einrichtung eines "Kulturtempels" und eines Einkaufszentrums in Tempelhof vor. Und auch dieses Gedröhne, zu dem der Berliner nur sagen kann: "Hamset nich ne Nummer kleener?", hat mit der Kultur- und Einkaufsstadt Berlin in etwa so viel zu tun wie ein Iglu-Bau mit der Sahara.

Besuch im Depot des Alliierten Museums in Tempelhof

Und wo bleibt das Positive? Das erwähnen wir in diesem Fall natürlich besonders gerne, da am 21.6.2015 die Möglichkeit bestand, das Depot des Alliierten Museums in Tempelhof zu besuchen. So etwas lassen sich die Berliner nicht zweimal sagen, und auch stundelange Wartezeiten konnten sie davon nicht abbringen.

Tempelhof ist unvergessen

Dabei ist eines ganz klar: Das Alliierten Museum gehört - zusammen mit einem Luftfahrt-Museum – ohne Wenn und Aber auf den Flughafen Tempelhof. Ein großer Publikumsandrang wäre damit garantiert und der bisherige Leerstand und Totentanz würden damit endlich ein Ende finden.

Im Verlauf dieser äußerst gelungenen Veranstaltung des Alliierten Museums kam es jedoch zu missverständlichen Äußerungen von Tempelhof-Führern der Firma "Berlin Kompakt", einer Agentur für Stadtführungen. Beschäftige der Agentur machten Aussagen, die geeignet sein konnten, Tempelhof einseitig und ausschließlich mit der Zeit des Dritten Reichs in Verbindung zu bringen und die Bedeutung des Flughafens Tempelhof für die Entwicklung des Flugverkehrs ab 1923 und die zentrale Bedeutung Tempelhofs für die Luftbrücke zu relativieren.

Auf unsere Nachfrage hin erklärte "Berlin Kompakt" sein Bedauern angesichts der entstandenen Missverständnisse und erklärte ausdrücklich, dass seitens des Unternehmens selbstverständlich kein Interesse an einseitigen und fehlerhaften Darstellungen des Flughafens Tempelhofs bestehen würde.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team




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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Die aktuelle Griechenland-Krise zeigt doch deutlich, wie weltfremd und abgehoben solche politischen Entscheidungsprozesse verlaufen. Wenn Politiker sich erst einmal in ein visionäres Zukunftsziel verrannt haben, spielen Fragen der Ökonomie, der Vernunft und sogar der Rechtsstaatlichkeit praktisch keine Rolle mehr. Kritiker des Handelns müssen sich dann vorwerfen lassen, dass ihr Beharren auf wirtschaftliche oder technische Fakten quasi per se eine Fortschrittsverweigerung ist, so, als sei der Fortschritt eine sich selbst erfüllende, gesellschaftliche Utopie, deren zustande kommen nicht mit gesundem Menschenverstand hinterfragt werden darf.

So fehlt der BER-Lobby bis heute die Größe, das Scheitern ihrer jahrelangen Verblendung einzugestehen. Nur langsam beginnt ein Prozess der Einsicht, in dessen Verlauf das zentrale Kultobjekt der Wowereit-Ära wieder zu dem heruntergestutzt wird, was es immer war: Ein technisch und wirtschaftlich fragwürdiger Regionalflughafen mit begrenzter internationaler Anbindung, der ohne massive Subventionen nicht einen Monat lebensfähig wäre. Eine politische Vision ohne Inhalt.

Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg hat sich auch ohne hochstilisierten Mega-Airport längst weiterentwickelt. Offenbar ist die bisherige Flughafenanbindung keineswegs so rudimentär, wie es der Hofjournalismus der Berliner Lokalpresse uns glauben machen will. Und sinnvolle Erweiterungen kann man immer noch vorantreiben, ohne einem verlorenen Prestigeprojekt weiteres Geld hinterherzuwerfen. Denn das zeigt das Beispiel Griechenland, am Ende siegt doch die Realität.

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