BER-Technikchef unter Korruptionsverdacht - Geschäftsleitung und Aufsichtsrat außer Kontrolle

Bestechungsverdacht wurde nicht von der Flughafengesellschaft entdeckt +++ BER-Technik-Chef Jochen Großmann soll an seine eigene Firma Aufträge vergeben haben +++

 

Geben und Nehmen im BER  
 

 

 


Guten Tag,

Jochen Großmann, mit seiner Großmann Ingenieur Consult GmbH, Auftragnehmer der Flughafengesellschaft, und gleichzeitig Mitglied des SPRINT-Teams von Hartmut Mehdorn und hier Technikchef des BER, sollte als Planungschef die Brandschutz- und Entrauchungsanlage des Flughafens endlich funktionsfähig machen.

Am 28.05.14 schied dann mit seiner Person erneut ein Hoffnungsträger des BER plötzlich aus - diesmal weil die Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit ermittelte.



Großmann, der 500 000 Euro von einem Auftragnehmer für eine Auftragserteilung gefordert haben soll, wurde mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Die betroffene Firma war bei einer internen Revision auf einen Dienstleistungsvertrag mit Großmann gestoßen und meldete diesen Vorfall der Flughafengesellschaft, die dann die Staatsanwaltschaft informierte.

Als Vertreter Großmanns ist inzwischen ein Oberbauleiter ernannt worden. Dazu sagte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Brettschneider in aller Gelassenheit: "Wenn es gut geht, wird es überhaupt keinen Zeitverzug, wenn es schlecht geht, dann wird es einen Zeitverzug geben."

Und auch wenn Klaus Wowereit aus dem fernen China verlauten ließ, dass man nichts zu verstecken habe und dass der oben beschriebene Ablauf "auch mal positiv gesehen werden könnte, da man hier nicht, um einen vermeintlichen Imageschaden zu verhindern, etwas unter die Teppichkante kehrt", bleiben viele Fragen offen.

Offensichtlich verhinderte kein Aufsichtsrat, keine Geschäftsführung und kein Flughafenkoordinator die Auftragsvergabe des Planungschefs an seine eigene Firma. Und das war nicht das erste Mal, dass es im BER ein problematisches Vergabeverfahren gab. Und der Verdacht auf Bestechlichkeit wurde ebenfalls nicht von der BER-Revision gemeldet, sondern von Außenstehenden.

Es geht hier also nicht allein um einen vermeintlichen Imageschaden, sondern erneut um diverse und schwerwiegende Managementfehler, und um eine weitere Verzögerung der BER-Fertigstellung - und die geradezu unfassbare Gelassenheit eines Flughafenkoordinators.

Geradezu skurril wirkte daher auch die Aussage des ehemaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg, Manfred Stolpe, der davon sprach, dass der BER im Herbst 2015 fertig sein werde. Ebenfalls ohne Konkurrenz ist das Angebot des vor wenigen Wochen entlassenen Entwicklers der fehlerhaften Entrauchungsanlage, Alfredo Di Mauro, zum BER zurückzukehren.

Am 2.6.14 wird es nun eine Sondersitzung des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft zum Fall Großmann geben. Wir sind gespannt, was vor oder was unter der "Teppichkante" bleiben wird.

Die Frage stellt sich immer dringender, wer diesen Aufsichtsrat kontrolliert oder ob er - und mit ihm der gesamte BER - nicht schon außer Kontrolle geraten ist? Es fällt schwer hier positiv gestimmt zu sein. Ein realistischer BER-Eröffnungstermin gerät jedenfalls in immer weitere Ferne.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team
 

 



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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Es ist schon erstaunlich. Da gibt es einen gravierenden Verdacht auf Korruption bei der Vergabe von wichtigen Schlüsselaufträgen bei Deutschlands wichtigstem Infrastrukturprojekt, und die öffentliche Reaktion ist eher verhalten bis desinteressiert. Auf jeden Fall nicht zu vergleichen, mit der Hysterie, die noch bei den Verfehlungen von Ex-Bundespräsident Wulff herrschte.

Dies zeigt auch, wie tief der BER im öffentlichen Ansehen schon gesunken ist. Offenbar empfinden Viele den Flughafen-Neubau nur noch als eine absurde Parallel-Welt, die außerhalb der Realität existiert. Es werden so unter ungeklärten Umständen Manager geschasst, Planungsunterlagen vernichtet, Aufträge anscheinend gegen Schmiergeldzahlung vergeben, es versagen sämtliche Kontroll- und Führungsmechanismen, aber das betrifft ja nicht das wirkliche Leben, sondern nur den BER. Wie in einer Seifen-Oper.

Und wie im Kommentar beschrieben, war dies nicht das erste problematische Auftragsvergabeverfahren. Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg hatten schon frühzeitig die Ziellinie vorgegeben, dass 60% des Auftragsvolumens zum Bau des Flughafens an Unternehmen in der Hauptstadtregion zu vergeben waren, und entsprechend sahen die Ausschreibungen auch aus, sofern es überhaupt welche gab, und die Aufträge nicht gleich freihändig vergeben wurden. Diese Praktiken waren nicht per se illegal, behinderten aber eine effiziente Leistungserbringung, und schufen die Grundlage für eine dubiose Beziehungswirtschaft zwischen Hoflieferanten und quasi-staatlichem Bauherren. Niemand schaute mehr so genau hin, und wollte auch nicht so genau informiert sein. Hauptsache, das Geschäft lief, und kritische Fragen der Berliner Medien oder der Opposition hatte man eh lange Zeit nicht zu fürchten.

Berlin zahlt jetzt einen hohen Preis für die Jahre des organisierten Wegsehens in Schönefeld. Insbesondere die selbst ernannte 4. Gewalt in Form der Medien ist nie da, wenn man sie braucht, bringt grundsätzlich keinerlei Mehrwert oder gesellschaftlichen Nutzen, lässt sich aber anschließend feiern, wenn alles schief gegangen ist, was schief gehen kann, weil man immer schon wusste, dass alles so kommen musste, wie es gekommen ist.

Der BER ist ein Zeugnis des heutigen Berlins und der Hauptstadtpolitik. Insofern schaut Berlin beim Flughafen nur in einen Spiegel seiner selbst. Und was man da sieht, kann einem nicht gefallen.

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