BER-Planspiele ersetzen die Realität

+++ Neues Spielmaterial für die Öffentlichkeit +++

BER: Keine Parkplätze, sondern überdachte Flächen ohne Verwendung
 
Guten Tag,

der März 2016, zu dem die "bauliche Fertigstellung" des BER abgeschlossen sein sollte, ist nur noch ein paar Monate weit weg und schon werden Spekulationen gestreut, die nahe legen, dass man auch diesen Termin ggf. wieder verfehlen wird. Man könnte sogar den Eindruck bekommen, dass es sich hierbei um Spielmaterial handelt, dass mutmaßlich nur dazu da ist, um die bekannten grundsätzlichen Probleme des BER zu verdecken.

Ungelöste BER-Kapazitätsprobleme

Unbestritten ist, dass der BER/BBI, wie von uns seit 2007 kommuniziert und seitens der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) erst im Dezember 2012 durch den damaligen BER-Technikchef Amann eingeräumt und später vom Flughafengeschäftsführer Mehdorn bestätigt, keine 27 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen kann, sondern nur ca. 22 Millionen.

Da die Fluggastzahlen im Berliner Flugverkehr, wie allgemein vorausgesagt und auch von uns immer wieder thematisiert, weiter ansteigen und 2014 schon 27,98 Millionen erreicht haben, ist guter Rat nun also besonders teuer. Zu den allgemeinen Kapazitätsproblemen des BER kommt jedoch noch hinzu, dass das dort vorgesehene Regierungsterminal offenbar nicht vor 2021 fertig werden wird.

Und anstatt endlich reinen Tisch zu machen und in aller Offenheit und Öffentlichkeit einzuräumen, dass der BER so oder so allein nicht ausreichen wird, werden weiterhin wortreich neue "Interimslösungen" in die Luft gemalt, die wohl weder praktikabel noch kostengünstig sein werden.

Und nach wie vor gibt es offenbar weder in der FBB-Geschäftsführung noch beim Regierenden Bürgermeister Müller den Mut, mit den alten Fehlplanungen zu brechen und den Flughafen Tegel (TXL) zumindest als Regierungsflughafen vorzusehen, wobei TXL durch seine zentrale Lage für diese Aufgabe geradezu prädestiniert ist.

Neue Gremien lenken von der Realität ab

Aber da die Befassung mit der Realität offenbar zu anstrengend ist, werden immer neue Gremien geschaffen, die die schon vorhandene Gremien "koordinieren und kontrollieren" sollen. In diesem Sinne ist wohl auch die nun zum 12.06.2015 realisierte Einrichtung des Sonderreferats "Flughafen" in der Berliner Senatskanzlei zu verstehen.

Das Sonderreferat soll zukünftig unter der Leitung des Flughafen-Nichtfachmanns, dafür aber langjährigem Aufsichtsratsmitglied Engelbert Lütke Daldrup stehen, der in Berlin Staatssekretär für Bauen und Wohnen ist und ehemaliger Wunschkandidat des Regierenden Bürgermeisters Müller für den Vorsitz des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft FBB war. Dieses Referat soll den Aufsichtsrat der FBB kontrollieren und koordinieren. Das hört sich nach immer mehr Häuptlingen und nach immer weniger Indianern an.

Privatisierung der politischen Verantwortung?

Ebenfalls erstaunen muss einen die jüngst kolportierte Idee, einen privaten Investor am BER beteiligen zu wollen bzw. einen solchen Einstieg gar mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren, was formal als negativer Kaufpreis bezeichnet werden würde.

Da es offen bleiben muss, ob der BER sich jemals zu einem interessanten Anlageobjekt entwickeln wird, und die Privatisierung des BBI/BER und der Flughafengesellschaft von den beteiligten Bundesländern Berlin, Brandenburg und dem Bund 2003 ausdrücklich verworfen worden war, gibt es hier mehr Fragen als Antworten. Eine Frage könnte z. B. lauten, ob die politische Verantwortung für das BER-Desaster auf diesem Weg nicht klammheimlich auch gleich mit-privatisiert werden soll?

In der "Welt" vom 14.6.2015 war nun zu lesen, dass laut BER-Technikchef Marks inzwischen "gute Baufachleute gesucht und gefunden" worden sind, und die Vergangenheit "aufgesammelt und sortiert und weitergearbeitet wird", wozu man nur gutes Gelingen wünschen kann.

Ein noch unter dem Flughafengeschäftsführer Hartmut Mehdorn im Frühjahr 2012 entlassener Fachmann, der Leiter des FBB-Real Estate Managements Harald Siegle, bemerkte damals, dass es weder vor noch nach dem Amtsantritt von Mehdorn eine juristisch belastbare BER-Baudokumentation gegeben hätte. Ob sich an diesen mutmaßlichen Missständen inzwischen etwas geändert hat, sagte der aktuelle BER-Technikchef Marks jedoch nicht.   

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team



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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

http://goo.gl/kdWx5D

Die neuen Namen braucht man sich wohl nicht zu merken!

 

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