BER-Omertà

+++ Schweigen mit der Berliner SPD +++

Guten Tag,

von den drei Kandidaten für die Nachfolge von Klaus Wowereit wird in diesen Tagen ein Kontrapunkt zu der so oft erlebten Flut der Worte gesetzt.
 
Zum absoluten Topthema der Region, dem Desaster des ehemaligen Vorzeigeprojekts BER, wollen sich die Herren Müller, Saleh und Stöß nicht äußern. Da fühlt man sich an die Rechtsmittelbelehrung "Alles was Sie sagen kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden" erinnert.

Im Rahmen des mit dem SPD-internen Mitgliederentscheids verbundenen ersten Schaulaufens der drei Herren konnte man jedenfalls den Eindruck gewinnen, dass sich die Berliner SPD quasi eine BER-Omertà, eine Schweigepflicht, auferlegt hat, da wohl fast jedes Wort zum BER eine fatale Wirkung für den Absender haben könnte. Dann schweigt man lieber.

Wir hatten übrigens kurzzeitig überlegt, zum Masseneintritt in die Berliner SPD aufzurufen, da das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin doch keine Angelegenheit von nur 17 000 Mitgliedern des Berliner SPD-Landesverbandes sein kann.

Uns schwebte vor, dass, abzüglich der Mitglieder der anderen Parteien, ca. 2,4 Millionen Berliner in die SPD eintreten würden, um über die Wowereit-Nachfolge mitzubestimmen. Ja, man kommt schon auf verrückte Ideen, wenn einem Neuwahlen vorenthalten werden.       

Und die Berliner SPD lässt sich Zeit mit der Wowereit-Nachfolge.

Wenn man schon einen mittelgroßen Flughafen nicht an den Start bekommt, dann muss es halt ein Mitgliederentscheid für die Galerie sein. Erst Anfang November will die Berliner SPD dem allgemeinen Wahl-Volk dann gnädigst mitteilen, von wem es denn demnächst regiert werden wird.

Überhaupt ist die SPD offensichtlich der Meinung, dass die Wowereit-Nachfolge ein viel zu ernstes Thema sei, um es den Wählern zu überlassen. Oder sagen wir es mit Bertolt Brecht*): "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"

Aber dann müsste das Volk den Flughafen BER fertigbauen – und das ist nun doch keine gute Idee.
 
Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

*)
Nach dem Gedicht: Die Lösung. In: Buckower Elegien, 1953. In: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Dritter Band: Gedichte 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1997. S. 404  

Am Ende des Newsletters - auf brennpunkt-ber.de - finden Sie eine einfach zu handhabende Kommentarfunktion.

Twitter: @BrennpunktBER




Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

© Das Thema Tempelhof e.V. 2014. Alle Rechte vorbehalten. Direkte und indirekte Textzitate sind nur mit einer vollständigen Quellenangabe zulässig.
 
Postfach 61 01 33, 10921 Berlin

V. i. S. d. P.: Wolfgang Przewieslik, 0176-223 550 70, 030-231 30 318

wolfgang.przewieslik@brennpunkt-ber.de
www.brennpunkt-ber.de
 

Kommentare

Avanti Diletantti! Egal, wer jetzt Regierender Bürgermeister wird, das Schweigen im Walde bezüglich BER klingt wie ein Trompetensignal in meinen Ohren - der von einer krassen Anzahl von nur 17 000 SPD Mitgliedern gewählte Neue wird es auch nicht reißen, der Rest der Berliner wird erst gar nicht gefragt. So lange Leute mit Parteibuch, aber Null Ahnung einem Aufsichtsrat vorstehen, sehe ich kein Land in Sicht. Aber Zeit heilt alle Wunden, wenn man das BER-Dilemmaa nur geschickt auszusitzen vermag. BER - was ist das, wird es nach Äonen heißen, und Tegel lebt!

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/berliner-buergermeister-schaul...

Naja, angelehnt an den Filmtitel "Fuck ju göthe", http://www.youtube.com/watch?v=8H_gk-4bX6o, könnte man auch "Fuck ju ber" rufen!

Die Berliner SPD scheint wohl auf der Flucht vor der Realität zu sein. Wo das endet wissen wir ja alle, nämlich in derselbigen!

Und was macht Frank Henkel?

Ich bin ja wirklich mal gespannt, was einen Tag nach dem Rücktritt von Klaus Wowereit am 12.12. vom FBB-Aufsichtsrat zum BER verkündet wird. Werden wir einen neuen Eröffnungstermin vekündet bekommen oder gar ein komplettes Scheitern des Projektes BER? Wird Berlin-Tegel doch noch offen gehalten? Peinlich, dass die Berliner CDU sich so driften lässt. Frank Henkel ist als Bürgermeisterkandidat völlig ungeiegnet. Die sollten mal lieber Frank Steffel aus Reinickendorf aufstellen, dann hätten die noch eine Chance.

Weiter so, liebes Brennpunkt-BER team. Bleibt am Ball!

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.