BER: Nach der Terminabsage ist vor der Terminabsage

+++ BER-Desaster keine Empfehlung für Olympia +++ BER-Eröffnung: Keine konkreten Angaben +++ BER-Status: Keine konkreten Angaben +++

Kein Scherz sondern Realität: Zwei statische Treppen und nur eine Rolltreppe im BER


Guten Tag,

in der Nachberichterstattung zur gescheiterten nationalen Olympia-Bewerbung Berlins ist unser Standpunkt, dass das BER-Desaster und der mangelnde Zuspruch der Bevölkerung wesentlich für diese Entscheidung waren, erfreulicherweise vielfach übernommen worden.

BER-Desaster keine Empfehlung für Olympia

So schreibt der B.Z.-Chefredakteur Peter Huth in seinem Kommentar am 18.03.15 u. a. folgendes:

"Berlins einzige Chance auf Olympia wurde vor vielen Jahren in den Brandenburger Sand gesetzt oder eben genau nicht. Wer gegen alle stichhaltigen Argumente und Abwägungen sagen will: Seht her, wir sind nicht nur besser, wir sind perfekt, wir sind alternativlos; wer also alles und jeden vom Tisch wischen will, weil er so dermaßen von sich überzeugt ist und das auch noch zu Recht, der darf sich eines ganz bestimmt nicht leisten: die peinlichste Bautragödie Europas, die Flughafen-Ruine „Willy Brandt“."

Die Süddeutschen Zeitung vom 17.03.15 äußerte sich wie folgt: "Die Niederlage gegen Hamburg dürfte ab jetzt die Aufzählung der Berliner Flops ergänzen, die das Image der Stadt mitprägen; von der letzten gescheiterten Olympia-Bewerbung bis hin zum ewig unfertigen Flughafen."

Und auch die BILD vom 17.03.15 sieht einen Zusammenhang zwischen der Olympia-Niederlage Berlins und dem BER-Desaster: "BER: Das Projekt steht über die Grenzen Berlins hinaus für politischen Dilettantismus, gebrochene Versprechen, Fehlplanungen und baufachliches Versagen. Wenngleich Sportfunktionäre betonten, der BER sei nicht der Hauptgrund für ihre Entscheidung, so spielte er in die Entscheidungen hinein."

Die Welt vom 19.03.15 ergeht sich schließlich in tiefschwarzem Humor: "Schon bis zu 20 Jahre früher als im Falle einer erfolgreichen Olympiabewerbung soll der Hauptstadtflughafen BER nun fertig werden, glauben inzwischen viele Experten ... Aus dem Umfeld der BER-Leitung ist zu hören, dass eine zeitnahe Eröffnung des Hauptstadtflughafens nur dann halbwegs realistisch ist, wenn sich Berlin nicht erfolgreich für Olympia 2044 bewirbt."

BER-Eröffnung: Keine konkreten Angaben

Auf die Frage nach der BER-Eröffnung kann man tatsächlich nur noch mit Radio Eriwan "halbwegs realistisch", nämlich mit "Im Prinzip Ja!" antworten. Wann das hingegen sein wird, kann inzwischen wohl kaum noch jemand seriös sagen.

Und auch die aktuellen Aussagen des neuen Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld können hier keine Klarheit schaffen. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost vom 16.03.15 äußerte sich Mühlenfeld betont vage: "Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir das Zeitfenster, das avisiert ist, dann hoffentlich realisieren können." Da ist also viel ziemliche Hoffnung drin.

BER-Status: Keine konkreten Angaben

Nicht sehr viel anders hielt es Mühlenfeld im gleichen Interview mit der Aussage zum konkreten Bauzustand des BER, als er sagte: "Mittlerweile sind wir in der Lage, den Bau zu koordinieren", was nach einer Bauzeit von fast 10 Jahren doch eine erstaunliche Aussage ist.

Und der zwischenzeitlich als Mehdorn-Nachfolger gehandelte Technikchef der Flughafengesellschaft, Jörg Marks, erklärte jüngst gegenüber der Welt: "Das Thema Entrauchung ist entschärft." Seit Monaten würden neue Klappen und Schornsteine eingesetzt, "damit Rauch richtig abzieht", was man wohl allgemein von einer Entrauchungsanlage auch erwarten darf.

Nein, bei so viel Relativierungen bleibt wenig Reales und man fragt sich, wie in diesem Zusammenhang auch noch zu allem Überfluss der März 2016 als Zeitpunkt für die weitgehende bauliche Fertigstellung des BER genannt werden konnte. In der Zeit bis zur schon angekündigten BER-Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 sollen dann wohl noch ein paar "kleinere Probleme" gelöst werden, die man bis dahin noch nicht "entschärfen" konnte? Man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Also gilt für den BER bis auf weiteres: Nach der Terminabsage ist vor der Terminabsage!

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team




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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Es gibt doch noch eine ausgleichende Gerechtigkeit. Diesmal ist der Senat mit seiner dreisten Lügerei und Verschleierung nicht durchgekommen. Das Versprechen von Olympische Spielen in Berlin, praktisch zum Nulltarif und mit zig-tausend neuen Arbeitsplätzen in der Stadt, das war von Anfang an nur eine schale Kopie der gefakten Prognosen zum Bau des BER. Die Strategie lautet immer nur Fakten in Beton zu gießen, und dann nach und nach der Öffentlichkeit die Rechnung zu präsentieren.

Die Berliner Politik hat jegliche Gelegenheit verpasst, Lehren aus der fulminanten Flughafen-Pleite zu ziehen. Man mauert einfach nur weiter, wie bisher. Diese Politiker-Generation ist unfähig, Lehren aus dem eigenen Fehlverhalten zu ziehen. Also wird wieder getrickst. Etwas anderes beherrscht man nicht.

Und die Berliner Lokalmedien bleiben sich ebenfalls treu. BZ, Berliner Zeitung und Tagesspiegel zeigen sich gerne als Vertreter eines prolligen Berlin-Chauvinismus und haken sich bei der Politik bei der Reise in die nächste Pleite ein, um dann nach dem Scheitern pflichtbewusst den strengen Kritiker zu spielen. Der Nachrichtengehalt der Berliner Medien läuft nur noch gegen Null, aber man kann immer schön nachträglich lesen, warum wieder einmal etwas gegen die Wand gefahren ist. Dabei sind gerade die überforderten Berliner Medien eine wesentliche Ursache für den politischen und gesellschaftlichen Niedergang in der Stadt, dem ständigen Scheitern auf hohem Subventions-Niveau.

Ich denke, dass jetzt auch die Michael Müller – Sympathiewochen der Berliner Lokalpresse erst einmal geerdet sind. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die Berliner Journalisten in ihr eigenes Wunschbild verrennen können. Michael Müller war nie ein Bürgermeister der Herzen, und er wird auch nie beliebt sein. Letztlich ist es den Menschen egal, wer Bürgermeister ist. Die Unterstützung der Berliner gilt nur dem Amt, und die Ansprüche an die Qualifikation des Amtsinhabers sind bei den Berlinern ohnehin schon auf null zurückgeschraubt.

Hamburg ist mit seiner Kandidatur alles Gute zu wünschen – Der Bessere hat die Vorauswahl verdient gewonnen.

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