BER-Management: Chaos nimmt zu

+++ Amtsantritt des neuen Geschäftsführers Mühlenfeld am 15.3.15 überschattet +++ Neuer Aufsichtsratschef Axel J. Arendt schon wieder vor dem Abflug? +++

BBI/BER-Werbung 2011, Realität 2015: Kein betriebsbereiter BER, keine perfekte Bahnanbindung über die "Dresdner Bahn" - und offensichtlich kein handlungsfähiges Management. Der Weg zum BER scheint immer weiter zu werden.


Guten Tag,

wenn man denkt, dass es beim BER nicht noch schlimmer kommen kann, dann wird man umgehend eines Besseren bzw. eines Schlechteren belehrt.

Und da reicht es wohl schon lange nicht mehr aus, dass sich der BER rein technisch gesehen in einem kaum zu definierenden Zustand befindet und dass das zuletzt offiziell ausgegebene BER-Eröffnungsjahr 2017 schon mit seiner Verkündung im Dezember 2014 postwendend unglaubwürdig wurde - nein, auch die Führung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) setzt weiter auf ein intensives Gegeneinander, wo doch genau das Gegenteil erforderlich wäre.

Führungschaos

Wie der Presse zu entnehmen ist, wird der neue Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld, ehemals beim Triebwerkshersteller Rolls-Royce, sein Amt am 15.03. unter denkbar schwierigen Bedingungen antreten müssen.

Mühlenfeld wird nicht nur damit leben müssen, dass er - vollkommen unüblich - gegen einen Gesellschafter, in diesem Fall gegen den Bund, durchgesetzt wurde, nein, auch das Land Berlin konnte sich nicht einstimmig für Mühlenfeld entscheiden, und der Koalitionspartner CDU enthielt sich mit der Stimme des Müller-Stellvertreters und Innensenators Frank Henkel bei der Wahl des Geschäftsführers. Henkel ließ es sich danach nicht nehmen, Mühlenfelds Präsentation vor dem Aufsichtsrat als "wenig überzeugend" zu bewerten.

Damit nun auch nicht genug, steht wohl der abrupte Ausstieg des erst neu eingestiegenen designierten Aufsichtsratsvorsitzenden Axel J. Arendt, ebenfalls ehemals Rolls-Royce, aus dem Aufsichtsgremium bevor. Wie Insider vermuten, hatte Arendt den ehemaligen Bombardier-Chef, Michael Clausecker, als Geschäftsführer favorisiert und will sich nun wohl nicht mit dem allgemein als führungsschwach eingeschätzten Karsten Mühlenfeld abfinden.

Sollten sich diese Einschätzungen bestätigen, steht der Regierende Bürgermeister Müller vor dem Scherbenhaufen seiner Flughafenpolitik und wird für die entstandene Situation die volle Verantwortung übernehmen müssen, da Mühlenfeld ausdrücklich sein Kandidat war, und er seinen eigenen Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft als „Professionalisierung“ verkaufte, die nun in ein veritables Chaos zu münden droht. Das für Michael Müller vermeintlich unverfängliche Strippenziehen aus dem Hintergrund dürfte damit gescheitert sein.

Chaos statt politischer Führung
   
Nicht nur der Regierende Bürgermeister Michal Müller, der im Kampf um die Wowereit-Nachfolge 2014 großspurig die politische Verantwortung und Führung des BER reklamiert hatte, was allgemein als Anspruch auf den Vorsitz des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft verstanden wurde, hat durch seinen Rückzug aus genau diesem Aufsichtsrat Vertrauen verspielt, nein, seine Kollegen in Bund und Land wollten offenbar um keinen Deut besser sein.

So verblüffte der Bundesverkehrsminister Dobrindt vor der Wahl Mühlenfelds mit der Aussage, dass der Flughafen Leipzig (LEJ) nur 55 Minuten vom Berliner Stadtzentrum entfernt wäre und erweckte damit den Eindruck, dass er Leipzig als Ersatzstandort für den BER ins Gespräch bringen wollte. Als Ideengeber nannte Dobrindt den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich. Der gültige Fahrplan gibt hingegen 105 Minuten an. Und die Erfahrung lehrt, dass man mal so eben eine neue direkte Verbindung Berlin – Leipzig/Flughafen nicht hinbekommen wird.

Die Kreativität des genannten Ministerpräsidenten hatte sich aber offensichtlich mit diesem Vorschlag noch nicht erschöpft, denn nun schlägt Tillich zusätzlich Dresden als BER-Ergänzung vor und will zu diesem Zweck auch noch teure Studien anfertigen lassen. Die Verbindungszeiten für die 192,5 km Berlin/Dresden lauten: Straße 126 Minuten, Bahn 128 Minuten. Wer sich das zumuten soll, bleibt unklar. Vorsichtig ausgedrückt. Manche sprechen von ausgemachtem Unsinn.    

Auch in diesem Fall erzeugt die Abwesenheit von Führung ein sich immer weiter steigerndes Chaos, und der Weg zum BER scheint nicht nur auf Schiene und Straße immer länger zu werden.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team




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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Herr Mühlenfeld hat doch seine wichtigste Aufgabe bereits erfüllt – dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller ein Alibi zu liefern, damit dieser einen Nachfolger für Hartmut Mehdorn installieren, und endlich den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft verlassen konnte. Das weitere Schicksal des neuen Geschäftsführers ist eigentlich zweitrangig. Eine wesentliche Bedeutung für das Projekt hat Herr Mühlenfeld nicht, weder im Guten, noch im Schlechten. Er ist nur ein Mann mehr auf der Gehaltsliste.

Die öffentliche Bedeutung des BER ist nur noch gering, niemand braucht ihn, und abgesehen von ein paar verlorenen Leitartiklern der Berliner Lokalmedien, vermisst ihn auch niemand. Der nicht mehr ganz so neue Flughafen ist nur noch ein klobiges Relikt aus der Vergangenheit, mit dem sich die Gegenwart herumschlagen muss, wie beim Zeppelinfeld in Nürnberg. Michael Müller hat dies erkannt, und sich deshalb aus dem Projekt zurückgezogen.

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