BER-Eröffnungsdatum erneut verraucht

+++ Keine Entrauchung, keine BER-Eröffnung +++ Es ist wieder der Brandschutz +++ Chaos, soweit das Auge reicht +++

Muss die Brandschutzanlage erneut entkernt werden? 


Guten Tag,

man hat den FBB-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld schon mit gefalteten Händen auf dem Podium der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) sitzen sehen. Beistand von ganz oben wird Mühlenfeld wohl auch zukünftig dringend benötigen, denn das BER-Chaos nimmt weiter Fahrt auf.  

Keine Entrauchung, keine BER-Eröffnung

Da der Zustand der BER-Brandschutzanlage für das Bauordnungsamt Dahme-Spreewald nach wie vor keine baurechtliche Abnahmefähigkeit besitzt, kann zurzeit niemand seriös voraussagen, wann der BER eröffnet werden wird.

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) formulierte diesen Sachverhalt nach der Sondersitzung des FBB-Aufsichtsrats vom 11.3.2016 folgendermaßen: "Flughafenchef Karsten Mühlenfeld betonte, dass es eine gute Kooperation mit dem Bauordnungsamt und der obersten Bauaufsichtsbehörde Brandenburgs gibt. Die Probleme werden angegangen und die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft wird zum nächsten Aufsichtsrat das weitere Vorgehen vorstellen."

Es ist wieder der Brandschutz

Nachdem 2012, nach diversen anderen Absagen, sogar zwei BER-Eröffnungstermine innerhalb eines Jahres abgesagt werden mussten, bemängelte Klaus Wowereit, dass doch anstelle des nicht realisierten technischen Brandschutzes wohl behelfsmäßig mehrere hundert Flughafenmitarbeiter als Brandschutzwächter hätten eingesetzt werden können. Couragierte Genehmigungsbehörden machten zum Glück einen Strich durch diese Milchbübchenrechnung.

2014 musste dann die FBB kleinlaut einräumen, dass der Konstrukteur der Brandschutz- bzw. Entrauchungsanlage, Alfredo di Mauro, kein Diplom-Ingenieur war, sondern nur einen Abschluss als Technischer Zeichner besaß. Zwischenzeitlich wurde der unter di Mauro realisierten Anlage dann eine prinzipielle Funktionsunfähigkeit bescheinigt.

Der wegen Korruption 2014 entlassene Technische Geschäftsführer der FBB, Jochen Grossmann, sprach schließlich, bezogen auf die BER-Entrauchungsanlage, sogar von einem Monster, dem es gelte, den Kopf abzuschlagen. Weltweit wird hingegen von funktionierenden Brandschutz- bzw. Entrauchungsanlagen auf Flughäfen berichtet, nur der BER bildet hier eine Ausnahme.  

Chaos, soweit das Auge reicht

Aus der Kapazitätsnot heraus kündigte die FBB nun vor kurzem den Bau eines zusätzlichen Terminals Nord-Ost, nahe des Pier Nord, an, das aber isoliert von der kommerziellen (Marktplatz, Boutiquen, Restaurants etc.)  und verkehrlichen BER-Infrastruktur (kein Zugang zum Bahnhof etc.) bleiben wird.

Bis 2030 müssen dann alle Provisorien (Schönefeld alt: 8 Mio. Passagiere, Pier Nord-Anbau: 8 Mio. Passagiere), die u.a. dem Regierungsterminal im Wege stehen, beendet und nach rund 600 Mio. Euro verlorenem Invest in dauerhafte Lösungen überführt werden. Zusätzlich müsste man für 20 Mio. Passagiere Wachstumsreserven dazu bauen, insgesamt also für ca. 36 Mio. Passagiere. Wäre man klug, würde man TXL in der Tat weiter betreiben, dann hätte man schon mal 20 Mio. Kapazität; jedenfalls so lange, bis die 36 Mio. Kapazität betriebsbereit sind.

Zwei Sätze, die noch am 12.1.2016 vom FBB-Aufsichtsratsvorsitzenden und Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, nach der BER-Baukonferenz zu hören waren, wurden nun nicht mehr vernommen, nämlich:

"Das ist kein Krisentreffen, sondern ein Motivationstreffen gewesen" und "Der Terminplan ist in der Umsetzung möglich." Möglich scheint nun, bis auf die Einhaltung von Terminplänen, tatsächlich fast alles.


Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Die Hartnäckigkeit, mit der die Genehmigungsbehörde auf das Funktionieren der Brandschutzanlage besteht, ist schon bewundernswert. Gerade in den heutigen Zeiten des politischen Werteverfalls setzt das tapfere Landratsamt des Spree-Dahme-Kreis somit einen Gegenpunkt zur allgemeinen Rechtlosigkeit des politischen Handelns. Eine politische Behörde, die auch bei einem gravierenden Regierungsinteresse konsequent auf die Erfüllung von Recht und Gesetz besteht, wo gibt es das sonst noch in Deutschland ?

Aber natürlich wird auch hier der Druck im Kessel steigen. Die BER-Lobby wird massiv darauf drängen, endlich die Genehmigung durchzuwinken. Ab dem Zeitpunkt der Eröffnung des BER werden Fakten geschaffen, und alle Diskussionen beendet sein.

Wie das funktioniert, sieht man anschaulich bei der Dieselaffäre von Volkswagen. Die Zulassungen der Dieselmotoren wurden nur mit erkennbar kriminellen Methoden erlangt, aber auch nach Bekanntwerden des Betrugs muss deshalb kein Wagen stillgelegt werden, muss kein Politiker zurücktreten, man fährt einfach weiter wie gehabt. Ggf. opfert man ein paar Manager. So muss auch BER-Chef Mühlenfeld erkennen, dass er im Spiel eigentlich nur die Streichmasse ist. Man hat ihn nur zum BER geholt, damit man ihn bei Bedarf als Sündenbock wieder rausschmeißen kann. Der Flughafen legt sich seine Abschusskandidaten sozusagen schon vorausschauend auf Halde an.

Und Berlins Medien machen beim Spiel lustig mit. Berliner Lokaljournalisten passen sich eben geschmeidig an sich ändernde politische Situationen an. Nachdem jahrelang von führenden Berliner Journalisten geklagt wurde, Berlins Flughafen-System stehe kurz vor dem Zusammenbruch, und überhaupt der Fluglärm in keiner Weise den gequälten Anwohnern zumutbar sei, singt man jetzt das hohe Lied des Flughafen Tegels. Nur, um ihn dann wieder als überholtes Relikt zu verdammen, wenn er denn tatsächlich außer Betrieb geht. So läuft Journalismus nun mal in Berlin.

Der Flughafen-Skandal ist insgesamt ein lehrreiches Beispiel für den Verfall einer öffentlichen Ordnung, des Versagens seiner politischen Eliten, und ihrer medialen Zuarbeiter. Insofern ist das ganze Geld doch nicht so ganz sinnlos verbrannt worden. Auf jeden Fall hat man viel Erkenntnis über die Beschränktheit der Politik gewonnen.

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