BER: Eröffnung unbestimmt, Krise permanent

+++ "BER-Terminband" vor dem Riss +++ BER: Out of Order +++ Senats-Propaganda versus Realität +++

 

BER: Out of Order  


Guten Tag,

wie seit vielen Jahren üblich, reiht sich auch aktuell eine negative BER-Meldung an die andere und offiziell wird weiterhin nur das eingeräumt, was vorher schon lange vermutet wurde.

"BER-Terminband" vor dem Riss

In der Planungs- und Baugeschichte des BBI/BER gab es seit dem Ende der 90ziger Jahre des 20. Jahrhunderts bisher 9 verkündete und dann abgesagte BER-Eröffnungstermine, davon 4 Jahresdaten und 5 konkrete Tagesdaten.

Den Höhepunkt dieser Negativserie bildete sicherlich die doppelte Terminabsage des Jahres 2012, als nacheinander ein Sommer- und ein Herbsttermin kurzfristig abgesagt wurden. Danach verkündete man noch einen Eröffnungstermin für den März 2013, bis man schließlich dazu überging überhaupt keine konkrete Eröffnungsdaten mehr zu nennen.    

Als Hartmut Mehdorn im Dezember 2014 dann seinen Abschied als Flughafengeschäftsführer ankündigte und damit große Zweifel an der Einhaltung des von ihm kreierten "BER-Terminbands" auslöste, das die Flughafeneröffnung für das zweite Halbjahr 2017 vorsah, war zu hören, dass der Wechsel in der Geschäftsführerposition keinerlei negative Auswirkungen auf die geplante BER-Eröffnung haben werde. Nun scheint erneut zu gelten, dass speziell in Sachen BER das Motto gilt "Nach der Terminabsage ist vor der Terminabsage", da das Mehdornsche Terminband, wie von uns schon vielfach berichtet, nun definitiv zu reißen droht.

Auslöser, aber nicht alleinige Ursache, ist hier u. a. die nicht bewältigte Insolvenz des Brandschutzexperten und BER-Auftragnehmers Imtech Deutschland im August diesen Jahres, die von der Flughafengesellschaft in der üblichen Art und Weise kleingeredet wurde, wobei man sich zu der Behauptung verstieg, dass die Imtech-Insolvenz nur zu einer Verzögerung von zwei bis drei Wochen führen werde.

Vor dem BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am 18.9.2015 räumte nun ein verantwortlicher Projektleiter ein, dass man bei Planung und Bau der BER-Brandschutzanlage "an Geschwindigkeit verloren" hätte.

Wir sind nun gespannt, welche politischen Sprachregelungen sich der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) bei seiner Sitzung am 25.9.2015 zu der nun erneut drohenden weiteren Verschiebung der BER-Eröffnung einfallen lässt.

BER: Out of Order 

Der FBB-Aufsichtsratsvorsitzende und Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hatte schon im April 2015 die "bauliche Fertigstellung" des BER von ehemals angekündigten März 2016 auf den Juni des gleichen Jahres verschoben, ohne aber das "BER-Terminband", d. h. die BER-Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 seinerseits in Frage zu stellen, was nun aber demnächst zu erwarten ist. Sicherlich werden der Öffentlichkeit dann geradezu schicksalshafte und damit unabwendbare Ursachen für den endgültigen Riss des "BER-Terminbands" präsentiert werden.

Wie die Bild am Sonntag berichtete, sind BER-Rauchgasventilatoren mit einem Gewicht von ca. 4 000 kg an Dachplattformen montiert worden, die nur eine ausgewiesene Tragfähigkeit von 2 000 kg besitzen. Auch das ist ein Detail, dass sich nahtlos in das desaströse BER-Gesamtbild einfügt und dass bis auf weiteres mutmaßlich zur permanenten Status-Meldung "BER: Out of Order" führen wird.

Senats Propaganda versus Realität

Dass man zwischen Schein und Sein nach wie vor auch hinsichtlich des ehemaligen Flughafens Tempelhof unterscheiden muss, zeigen zum wiederholten Male die jüngsten Entwicklungen in Tempelhof. Nachdem sich die senatsseitig behaupteten Besucherzahlen für Tempelhof von 8 000-16 000 Menschen an jedem der 365 Tage im Jahr schon vor einiger Zeit in Luft aufgelöst hatten, ging dann auch der vermeintliche Anker-Mieter, die Modemesse Bread & Butter, insolvent.

Von Anfang an gab es erhebliche Zweifel an der Werthaltigkeit dieses Engagements, sprich an der Ertragskraft der Bread & Butter. In die Bresche sprang dann, als neuer B & B-Eigentümer, der Online-Händler Zalando, der aber jüngst ankündigte, dass man die Unterbringung von Flüchtlingen in Tempelhof unterstützen und die für das Frühjahr 2016 geplante B & B daraufhin absagen werde. Inwiefern für die abgesagte Modemesse öffentliche Ausgleichszahlungen erfolgen werden, ist unbekannt.

Der Berliner Senat verwehrt hingegen nach wie vor dem traditionellen Deutsch-Amerikanischen-Volksfest die Nutzung des ehemaligen Flughafengeländes, obwohl dieser Event jeweils ca. 500 000 Besucher anzieht und somit einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Einnahmesituation in Tempelhof leisten könnte. Der Verdacht ist nach wie vor gegeben, dass der Titel und der historische Gesamtzusammenhang des Deutsch-Amerikanischen-Volksfestes diese Veranstaltung für den Berliner Senat in Tempelhof zur Persona non grata macht und anstatt dessen lieber Leerstand riskiert wird.

Eine parlamentarische Anfrage zur Auslastung des Veranstaltungsorts Tempelhof wurde jüngst wie folgt beantwortet:

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"2014 wurden 68 Veranstaltungen mit vermuteten mehr als 500 Besucherinnen und Besuchern für das Tempelhofer Feld bei der Grün Berlin GmbH angefragt, bei weiteren 58 Anfragen war die Vorhersage der Besucheranzahl unklar ... 2015 wurden bisher 50 Veranstaltungen dieser Größenordnung angefragt, bei weiteren 62 Anfragen blieb unklar, ob mehr als 500 Besucherinnen und Besucher zu erwarten sind."

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Auch in diesem Punkt hat die Realität die geschönten Vorhersagen des Berliner Senats über die vermeintlich rosigen Entwicklungsperspektiven des Flughafens Tempelhof nach seiner Schließung 2008 unerbittlich widerlegt.

Die Tempelhof-Schließung 2008 wurde übrigens mit der vermeintlichen Gefährdung der BBI/BER-Eröffnung 2010 begründet, aus der dann der 1. November 2011 wurde, woraus wiederum der 3.6.2012 wurde, der sich dann aber in den Oktober des gleichen Jahres und in den März 2013 verwandelte. Die vorerst letzte Folge dieser realen und äußerst kostenträchtigen Seifenoper ist das oben zitierte Mehdornsche "Terminband", das wohl nicht mehr allzu lange halten wird.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team



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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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