BER-Eröffnung 2017 schon wieder Makulatur?

Flughafenchef Mehdorn erklärt seinen Rücktritt zum 30.06.2015

Hartmut Mehdorns Kontur als Geschäftsführer der Flughafengesellschaft blieb immer unscharf


Guten Tag,

man konnte der zur Schau getragenen Harmonie bei der Pressekonferenz der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), anlässlich der Aufsichtsratssitzung des Unternehmens am 12.12.14, kaum glauben, die zwischen der Geschäftsleitung und dem Aufsichtsratsgremium in geradezu aufdringlicher Art und Weise in Szene gesetzt wurde, obwohl Tage zuvor schon Nachfolgekandidaten für den amtierenden Geschäftsführer Mehdorn feilgeboten wurden.

Nun ist es also passiert und Hartmut Mehdorn hat seinen Rücktritt zum 30.06.15 angekündigt, der de facto und de jure wohl wesentlich früher eintreten wird. In seiner Rücktrittserklärung beklagte Mehdorn, "dass im Aufsichtsratsumfeld Spekulationen zu meiner Person angestellt wurden, die das für mich vertretbare Maß überstiegen."

 

Nichts ist so alt wie die Nachricht vom 12.12.2014

Zerstört ist ein weiteres Mal das Vertrauen in die verschiedenen Leitungsinstanzen der Flughafengesellschaft und in die Leitungsinstanzen des Flughafenprojekts BER im Speziellen.

Hartmut Mehdorn, als Hoffnungsträger von Klaus Wowereit 2013 geholt, hatte wohl die Zustände auf die er dann traf, nicht in seinen kühnsten Träumen erwartet. Der Macher Mehdorn sah sich nach der Übernahme des Amtes mit einem veritablen Himmelfahrtskommando betraut, für dessen absehbares Scheitern er den Sündenbock abgeben sollte, was Mehdorn nun final verweigert hat.

Unwidersprochen traf Mehdorn auf Zustände, die ein Insider mit der Bemerkung goutierte, dass es weder vor noch nach 2012 eine gerichtsfeste Dokumentation des BER gegeben hätte, und damit jeder Regressanspruch gegen säumige Dienstleister ohne Grundlage wäre, weil zu keinem Zeitpunkt ein Ist-Zustand nachgewiesen werden konnte, sprich: es wurde munter an einander vorbei gebaut!

Und der Siemenschef Josef Käser ließ im Juni 2013 einen Versuchsballon starten und sprach davon, dass man mit dem BER Geduld haben müsste, worunter Kaeser eine BER-Eröffnung 2018-2023 verstand.


Wer will den BER noch retten?

Nun wird also Hartmut Mehdorn spätestens im Juni 2015 das Handtuch werfen, auch wenn jetzt die Legendenbildung erst recht Fahrt aufnehmen wird. Man wird lesen, dass alles bestens aussieht, Mehdorn einen aufgeräumten Schreibtisch übergeben wird, und die BER-Eröffnung nur noch eine Petitesse wäre.

Längst ist es aber nicht mehr die Frage, wer Mehdorn nachfolgt, sondern ob der BER und die mit diesem Projekt verbundenen massiven strukturellen Probleme des regionalen Flugverkehrs überhaupt noch zu lösen sind, wobei es sich im wahrsten Sinne des Wortes um selbstgemachte Probleme handelt. Stichworte sind die absurde Schließung des Flughafens Tempelhof und die nicht minder irrwitzige - geplante - Schließung des Flughafens Tegel.


BER-Eröffnung 2017 ist jetzt wohl Makulatur

Am Vormittag des 15.12.14, um 10:11, nahm der neue Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, gegenüber dem RBB-Inforadio, zur Beschäftigung von externen Beratern im BER Stellung. Kurz nach 14:00 brannte dann die Hütte lichterloh, weil sich die Nachricht von der Rücktrittsankündigung Hartmut Mehdorns verbreitete.

Michael Müller, der zwar Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft ist, wohl aber aus taktischen Gründen den Vorsitz dieses Gremiums verweigerte, wird zu erklären haben, wie er vom Rücktritt Mehdorns überrascht werden konnte. Ein optimales Führungsverhalten des de facto Vorsitzenden des Aufsichtsrates hätte wohl anders ausgesehen. Und der lauthals verkündete BER-Eröffnungstermin im zweiten Halbjahr 2017 ist wohl schon drei Tage nach seiner Verkündigung Makulatur.

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team

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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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Kommentare

Ein besonders unwürdiges Beispiel an Opportunismus gibt heute wieder einmal der Berliner Tagesspiegel ab. Nachdem das Blatt in der letzten Woche sich noch vehement für Mehdorn einsetzte, und das Schicksal des BER an dessen Verbleib in der Geschäftsführung knüpfte, kommen heute ganz andere Töne. So schnell geht es bei Berlins krawalligster Boulevard-Zeitung.

Plötzlich heisst es von Klaus Kurpjuweit, dass der Rücktritt überhaupt keine negativen Auswirkungen hat, und der Bau weiter im Plan ist. Damit wird die bisherige Berichterstattung des Tagesspiegels mal schnell komplett auf den Kopf gestellt.

Aber so kennen wir den Berliner Tagesspiegel: Opportunistisch, verschlagen, rechthaberisch. Und selbstverständlich wird niemals ein Fehler oder eine Falscheinschätzung zugegeben. Es ist genau dieses Medienversagen, das wesentlich zum Zustandekommen der BER-Pleite beigetragen hat.

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