BER, der Yeti unter den Flughäfen

+++ Virtuelles Management +++ Virtuelle Verantwortlichkeiten +++

Es kommt immer wieder zu Begegnungen mit dem BER


Guten Tag,

auch wenn es sich beim BER nicht um ein behaartes, riesiges Fabelwesen handelt, so verschwindet der Flughafenbau doch immer mehr aus der Realität und wird immer mehr zu einem virtuellen Flughafen, der nur noch von Behauptungen lebt.

Virtuelles Management

Wie schon seine Vorgänger hat nun auch der aktuelle Flughafengeschäftsführer Karsten Mühlenfeld seine lyrische Ader entdeckt und beglückt die Öffentlichkeit seit geraumer immer wieder mit originellen Formulierungen.

Hinsichtlich der von seinem Vorgänger Mehdorn angekündigten Flughafeneröffnung im zweiten Halbjahr 2017 ließ Mühlenfeld verlauten: "Wir reden da aber eher von der zweiten Hälfte der zweiten Jahreshälfte", Berliner Morgenpost 15.10.2015, obwohl auch Herr Mühlenfeld wissen müsste, dass Flughafeneröffnungen im Winter nur im Legoland durchgeführt werden. Die geringe Nachfrage im realen Luftverkehr jeweils zum Jahresende und die dann schon im  Sommer beschlossenen und demzufolge zwangsläufig unabgestimmten Bahnfahrpläne lassen diese Aussage als absurd erscheinen.  

Der BER-Eröffnungstermin wird wohl daher stetig weiter durch die Zeit driften, bis es dann demnächst die "erste Hälfte der ersten Jahreshälfte 2018" sein wird, gefolgt von der "zweiten Hälfte der ersten Jahreshälfte" folgende. Mühlenfelds Vorvorgänger Schwarz ließ schon 2012 verlauten, dass der BER "baulich, aber nicht technisch," fertiggestellt sei. Und Vorgänger Mehdorn hatte einmal treffend festgestellt, dass "der BER fertiger und fertiger wird."

Dieses ahnungslose Wortgeklingel kann aber nicht verbergen, dass der BER die letzten drei Jahre ohne Generalplaner dastand, und seit dem Baubeginn 2006 nach wie vor keine vollständige Baudokumentation existiert. Aufgrund dessen tauchen aus dem Schönefelder Nebel auch immer wieder unangekündigt Eisberge auf, die dann leider jeweils nur verbal umschifft werden. Ein solcher Eisberg waren vorige Woche 86 unschuldsweiße Ordner, säuberlich für die Presse aufgereiht, von denen es hieß, diese Bauantragsunterlagen müssten nur noch genehmigt werden.

Aber schon vorher handelte es sich um einen insolvent gegangenen Dienstleister von entscheidender Bedeutung, dann um zufällig entdeckte Statikprobleme, oder auch eher zufällig von BILD entdeckte Hunderte von Brandschutzwänden, die ausgetauscht werden müssen.

In dieses Bild passt zudem, dass, wie schon in TXL, jetzt auch in Schönefeld provisorische Hallen, hier Terminal F genannt, aufgestellt werden. Dieses "Terminal F" soll aber genau an dem Ort errichtet werden, an dem die Bundeswehr ihr Regierungsterminal bauen will - es darf und kann sich daher nicht zu einer dauerhaften Lösung entwickeln. Alle Provisorien zusammen ergeben außerdem in etwa die Kapazität von TXL, an dessen Schließung aber nach wie vor festgehalten wird.

Und obwohl das alles für einen fundamentalen Kontrollverlust der Geschäftsführung spricht, erläutern die Verantwortlichen des Multi-Milliarden-Euro-Objekts BBI/BER der Öffentlichkeit ein ums andere Mal erneut, dass alles in Ordnung sei und die Termine gehalten werden. Laut Jörg Marks, Leiter Technik & Bau der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), seien 50% der gesteckten Ziele erreicht, Berliner Morgenpost 15.10.2015, wobei zur Zieldefinition selbstverständlich nichts gesagt wurde. Die FBB hält es übrigens nach wie vor nicht für notwendig, einen Geschäftsführer Technik einzusetzen, sondern siedelt dieses entscheidende Ressort unterhalb der Geschäftsführung an.

Virtuelle Verantwortlichkeiten

Zu dem virtuellen Raum BER gehört es selbstverständlich auch, dass es nur virtuelle und damit keine tatsächlichen Verantwortlichkeiten für das langjährige BER-Desaster gibt. Reale Verantwortlichkeiten sind offenbar weder im Aufsichtsrat, noch in der Geschäftsführung der FBB und wohl erst recht nicht in den Landesregierungen und Parlamenten von Berlin und Brandenburg zu finden.

Und die seit einiger Zeit existierenden parlamentarischen BER-Untersuchungsausschüsse in Berlin und Brandburg, spiegeln jeweils nur die aktuellen politischen Macht- und Koalitionsverhältnisse wieder und haben daher im Wesentlichen nur etwas mit der Vergangenheitsbewältigung und der aktuellen Positionierung der beteiligten politischen Parteien zu tun. Real mit Konsequenzen Behaftetes haben diese Untersuchungsausschüsse jedenfalls bisher nicht zu Wege gebracht.   

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team




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Text & Redaktion: Wolfgang Przewieslik

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