BER: Der HSV unter den Flughäfen

+++ Lütke Daldrup als neuer FBB-Geschäftsführer bestellt +++

+++ Es werde Licht ... +++ TXL muss offen bleiben +++

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Die BER-Kamille von 2013  

Guten Tag,

nachdem es beim BER inzwischen fast so zugeht wie beim Hamburger SV der Fußballbundesliga, ist mit dem Stadtplaner und Nicht-Flughafenexperten Engelbert Lütke Daldrup nun der nächste Trainer, sprich Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), heute offiziell durch den FBB-Aufsichtsrat bestellt worden. Die HSV-Fans  mögen uns diesen Vergleich verzeihen. Für den Fußballklub haben wir durchaus noch Hoffnung, beim BER werden hingegen die Probleme mit der Fertigstellung erst so richtig anfangen. Die Stichworte lauten hier Kapazität und Einbindung in die Verkehrssysteme am Boden.

Lütke Daldrup als FBB-Geschäftsführer bestellt

Nach Dieter Johannsen-Roth (2002-2005), Rainer Schwarz (2006–2013), Hartmut Mehdorn (2013–2015) und Karsten Mühlenfeld (2015–2017) folgt nun Engelbert Lütke Daldrup im Amt des Flughafengeschäftsführers. Die ehemaligen Geschäftsführer sind alle an den widerstreitenden politischen Interessen und Vorgaben der öffentlichen Eigentümer der Flughafengesellschaft gescheitert und mussten unbeschadet individueller Fehler letztendlich als hochbezahlte Sündenböcke herhalten. Abzuwarten bleibt, wie lange Lütke Daldrup sich für die Bundesländer Berlin, Brandenburg und den Minderheitseigentümer Bund nützlich machen darf.   

Jüngst war in der Berliner Morgenpost von Dieter Faulenbach da Costa zu lesen, dass der BER nie ans Netz gehen würde. Das wird natürlich nicht eintreten, da politische Projekte wie der BER immer ans Netz gehen. Die Frage ist nur in welchem Zustand, wann und zu welchen Kosten. Und bei politischen Projekten spielt das Geld bekanntlich eine eher untergeordnete Rolle.

Mit der Bestellung von Lütke Daldrup ist nun aber ein weiterer Schritt zur medialen Entsorgung des BER getan. Mit einiger Bauernschläue hat der Regierende Bürgermeister Berlins und abgetretene FBB-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Müller damit wohl sein politisches Überleben gesichert.

Ein politischer FBB-Geschäftsführer, in dessen Folge alle Berliner Senatsmitglieder samt des Regierenden Bürgermeisters ausgeschieden sind, wird also zukünftig von nicht gänzlich unpolitischen Staatssekretären (nur die Grünen machen hier eine Ausnahme) im FBB-Aufsichtsrat kontrolliert werden. Die baulichen und konzeptionellen Mängel des BER werden dadurch jedenfalls nicht geheilt werden können.

Es werde Licht ...

Und nachdem nun jahrelang in Berlin und Brandenburg erzählt worden ist, dass es innovativ wäre, innerstädtische Flughäfen zu schließen und einen neuen Flughafen, einen sogenannten Single-Airport, zu bauen, der vermeintlich alle Flugverkehre, die großen und die kleinen, aufnehmen könnte, bricht nun das durch, was man immer vor der Tür halten wollte, nämlich die Realität.

Außerhalb von Berlin, Brandenburg und Deutschland hat man die Realität schon erleben können: Weltstädte wie Mailand, Paris, Rom, Stockholm, Osaka, Tokio, Bangkok, Jakarta, Washington und Dallas bauten neue Flughäfen - und ließen die alten Airports aus guten Gründen in Betrieb.

Dem ehemals als modernstem (Groß)Flughafen Europas gepriesenem BER darf man sehr wohl den Spiegel vorhalten und darf darauf hinweisen, dass in Peking ein hochmoderner Flughafen mit acht Start- und Landebahnen entsteht, der pro Jahr ca. 120 Mio. Passagiere wird abfertigen können. Und auch dort wird der alte Flughafen mit derzeit 82 Mio. Passagieren weiter bestehen bleiben. Der BER indes kann, so wie er gebaut wurde, noch nicht einmal 30 Mio. schaffen. Bis auf weiteres wird der BER sogar gar nichts schaffen können, da er nicht betriebsbereit ist.

Erhellendes gab es bei der abendlichen Pressekonferenz kaum. Der neue FBB-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Bretschneider beschrieb sich und Lütke Daldrup als "alte Gesichter in neuen Funktionen", meinte dass "weiteres Geld von den Gesellschaftern keiner braucht" und zu einem neuen BER-Eröffnungsdatum erklärte er, dass "es dauern würde und wir diese Dauer aushalten müssen." Lütke Daldrup erklärte schließlich, dass "wir diese Baustelle endlich fertig kriegen müssen" und dass zu diesem Zweck demnächst "Risiko-Workshops" eingerichtet werden.   

Der Vertreter des Bundes im FBB-Aufsichtsrat, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Rainer Bomba, hatte übrigens vorab das de facto erledigte BER-Eröffnungsdatum 2018 mit der skurrilen Äußerung zu retten versucht, dass er "da draußen jede Schraube kenne". Die Zuordnung von Schraube und Flughafenstandort konnte aber an diesem Abend nicht abschließend geklärt werden.   

TXL muss offen bleiben

Kurz vor dem Ende des TXL-Volksbegehrens am 20. März 2017 wollen wir nur eines unter vielen Pro-TXL-Argumenten nennen: Ohne die Offenhaltung von TXL wird es für die BER-Anwohner eine um 100% gesteigerte Lärmbelastung im Vergleich zu heute geben. Vielfalt kann auch im Interesse von allen Flughafenvielfalt bedeuten - TXL muss offen bleiben!       

Herzliche Grüße

Ihr Brennpunkt-BER-Team


P.S.

Tempelhof nach fast 9 Jahren der Schließung


ACHTUNG TERMIN:

Volksbegehren TXL-Offenhaltung

Die 2. Phase des Volksbegehrens "Berlin braucht Tegel" befindet sich auf der Zielgeraden und dauert noch bis zum 20. März 2017 an. Es müssen 174 000 Unterschriften mit einem zusätzlichen Puffer von 30 000, also über 200 000 Unterschriften, gesammelt werden. Bitte laden Sie sich die Unterschriftenliste "Zustimmung zum Volksbegehren über den Weiterbetrieb des Flughafen Berlin-Tegel Otto Lilienthal TXL" herunter.

Die ausfüllten Unterschriftsbögen bitte umgehend abgeben bei:


Berlin braucht Tegel
c/o Landesgeschäftsstelle der FDP Berlin
Dorotheenstr. 56
10117 Berlin


Unterschriftsberechtigt sind nur Personen, die am Tage der Unterzeichnung zum Abgeordnetenhaus von Berlin wahlberechtigt sind, d.h.  alle Deutschen, die 18 Jahre alt, mindestens seit drei Monaten vor diesem Tag in Berlin mit ihrer alleinigen Wohnung oder mit ihrer Hauptwohnung im Melderegister verzeichnet und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.

Weitere Infos zum Stand des Volksbegehrens bitte unter www.tegel-bleibt-offen.de einsehen.

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